F-Diagnosen ICD 10 → F90-F98 → F94. Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F94.- Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
Info zu der F94.- Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
Diagnosekriterien der F94.- Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
| Kriterien | F94.0 Elektiver Mutismus |
F94.1 Reaktive Bindungsstörung |
F94.2 Bindungsstörung mit Enthemmung |
F94.8 Sonstige soziale Funktionsstörungen |
F94.9 Nicht näher bezeichnet |
|---|---|---|---|---|---|
| Hauptmerkmale | Verweigerung zu sprechen in bestimmten sozialen Situationen | Gestörte Bindung zu Bezugspersonen nach Vernachlässigung oder Misshandlung | Bindungsstörung mit Enthemmung / exzessivem Annäherungsverhalten | Andere soziale Funktionsstörungen mit Beginn in der Kindheit | Nicht näher spezifiziert |
| Soziale Interaktion | Normale Kommunikation zu Hause, selektiv im sozialen Umfeld | Vermeidung, Misstrauen, soziale Distanz | Ungehemmtes Verhalten gegenüber fremden Personen | Variabel | Unklar |
| Emotionale Symptome | Angst oder Unsicherheit in sozialen Situationen | Angst, emotionale Zurückgezogenheit, Bindungsschwierigkeiten | Impulsivität, mangelnde Zurückhaltung | Variabel | Unklar |
| Intelligenz / Anpassung | Normal | Normal | Normal | Variabel | Unklar |
| Diagnostischer Hinweis | Selektives Schweigen in sozialen Situationen | Gestörte Bindung durch frühe Vernachlässigung oder Trauma | Bindungsstörung mit Annäherungsverhalten | Sonstige soziale Entwicklungsauffälligkeiten | Auffangdiagnose |
| Ausschlusskriterien | Keine Intelligenzminderung oder organische Störung | Wie F94.0 | Wie F94.0 | Wie F94.0 | Wie F94.0 |
Codierung der F94.- Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F94.0 Elektiver Mutismus
Die Diagnosekriterien der F94.0 Elektiver Mutismus beschreiben eine Störung des Kindesalters, bei der Kinder in bestimmten sozialen Situationen dauerhaft nicht sprechen, obwohl sie in anderen Situationen normal kommunizieren können. Die Sprachverweigerung geht über normale Schüchternheit hinaus und führt zu erheblichem Leidensdruck oder Beeinträchtigung der sozialen, schulischen oder familiären Funktionsfähigkeit.
Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:
🙈 Kernmerkmale
- Beständiges Schweigen in bestimmten sozialen Situationen (z. B. Schule, Kindergarten), obwohl das Kind in anderen Kontexten normal spricht
- Keine körperliche Störung der Sprachfähigkeit
- Vermeidung von Sprechen trotz Fähigkeit und Sprachverständnis
- Angst, Schüchternheit oder sozialer Rückzug als mögliche Begleiterscheinungen
🧒 Entwicklungsaspekte
- Beginn meist im Vorschul- oder frühen Schulalter
- Störung geht über normale Schüchternheit hinaus
- Beeinträchtigt schulische Teilhabe, soziale Interaktion und altersgerechte Entwicklung von Freundschaften
⏳ Verlauf & Dauer
- Symptome bestehen über mindestens mehrere Wochen
- Persistierend in den betroffenen sozialen Situationen
- Kann ohne Intervention chronisch werden und die Entwicklung erheblich behindern
❌ Ausschlusskriterien
- Nicht besser erklärbar durch Sprachstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen oder andere psychische Störungen
- Keine vollständige Unfähigkeit zu sprechen in allen Situationen
- Kein vorübergehendes Schweigen als normale Entwicklungsphase
👧 Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Kind spricht zu Hause normal, verweigert jedoch das Sprechen in der Schule
- Vermeidung von Antworten auf Fragen oder Teilnahme an Gruppenaktivitäten
- Leidet unter sozialer Isolation und Frustration aufgrund der Unfähigkeit, sich verbal mitzuteilen
💡 Codierung und Besonderheiten
- F94.0 – Elektiver Mutismus
- Abgrenzung zu sozialen Ängstlichkeitsstörungen (F93.2) und anderen Kommunikationsstörungen
- Wichtig: Diagnose nur bei deutlich anhaltender Verweigerung in spezifischen sozialen Situationen und klinisch relevantem Leidensdruck
F94.1 Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters
Die Diagnosekriterien der F94.1 Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters beschreiben eine emotionale Störung, bei der Kinder Schwierigkeiten entwickeln, angemessene Bindungen zu primären Bezugspersonen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten. Die Störung geht über normale Anpassungsschwierigkeiten hinaus und führt zu deutlichem Leidensdruck oder Beeinträchtigung der sozialen und emotionalen Entwicklung.
Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:
🙈 Kernmerkmale
- Deutliche Probleme beim Aufbau oder Aufrechterhalten von Bindungen zu primären Bezugspersonen
- Zurückgezogenes, misstrauisches oder übermäßig anhängliches Verhalten gegenüber Bezugspersonen
- Fehlende soziale und emotionale Gegenseitigkeit im Umgang mit vertrauten Personen
- Störung tritt in der Regel in Zusammenhang mit frühkindlicher Vernachlässigung, Misshandlung oder unstabiler Betreuung auf
🧒 Entwicklungsaspekte
- Beginn typischerweise in den ersten Lebensjahren
- Beeinträchtigt die normale Entwicklung von Vertrauen, Sicherheit und sozialen Fähigkeiten
- Kann langfristige Auswirkungen auf Beziehungen, Selbstwert und emotionale Regulation haben
⏳ Verlauf & Dauer
- Symptome bestehen über mehrere Monate und sind stabil
- Persistierend ohne Intervention, insbesondere bei weiterhin unzureichender Bindungserfahrung
- Frühe therapeutische Intervention kann positive Entwicklung fördern
❌ Ausschlusskriterien
- Nicht besser erklärbar durch Autismus-Spektrum-Störung oder andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen
- Keine Anpassungsstörung oder Reaktion auf akute Trennung ohne chronische Bindungsproblematik
👧 Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Kind zeigt extremes Misstrauen oder übermäßige Anhänglichkeit gegenüber Bezugspersonen
- Fehlende Freude oder emotionale Reaktion bei Interaktion mit vertrauten Personen
- Vermeidung von körperlicher Nähe oder emotionalem Austausch
- Frühkindliche Vernachlässigung oder instabile Betreuungsverhältnisse als Hintergrund
💡 Codierung und Besonderheiten
- F94.1 – Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters
- Abgrenzung zu F94.2 (Disinhibierte Bindungsstörung) und anderen F94-Störungen
- Wichtig: Diagnose nur bei deutlicher, anhaltender Bindungsstörung und klinisch relevantem Leidensdruck
F94.2 Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung
Die Diagnosekriterien der F94.2 Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung beschreiben eine emotionale Störung, bei der Kinder ungehemmt und oft unangemessen freundlich oder anhänglich auf fremde Personen reagieren. Die Störung tritt in der Regel nach frühkindlicher Vernachlässigung oder unstabiler Betreuung auf und führt zu deutlichem Leidensdruck oder Beeinträchtigung der sozialen und emotionalen Entwicklung.
Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:
🙈 Kernmerkmale
- Übermäßige oder unangemessene soziale Annäherung an fremde Personen
- Fehlende Zurückhaltung gegenüber Unbekannten, oft ohne Angst oder Misstrauen
- Kaum oder keine selektive Bindung zu primären Bezugspersonen
- Störung tritt meist in Zusammenhang mit chronischer Vernachlässigung, Misshandlung oder häufig wechselnden Betreuungsverhältnissen auf
🧒 Entwicklungsaspekte
- Beginn typischerweise in den ersten Lebensjahren
- Beeinträchtigt die normale Entwicklung von Bindung, Vertrauen und sozialem Verhalten
- Kann langfristig die Entwicklung von sicheren Beziehungen und emotionaler Regulation stören
⏳ Verlauf & Dauer
- Symptome bestehen über mehrere Monate und sind stabil ohne Intervention
- Persistierend, insbesondere bei weiterhin unzureichender Bindungserfahrung
- Frühe therapeutische Intervention kann die Entwicklung sicherer Bindungsmuster unterstützen
❌ Ausschlusskriterien
- Nicht besser erklärbar durch Autismus-Spektrum-Störungen oder andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen
- Keine normale kindliche Offenheit oder Neugier gegenüber fremden Personen
- Keine Anpassungsstörung ohne chronische Bindungsproblematik
👧 Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Kind geht ohne Hemmung auf fremde Erwachsene zu, zeigt übermäßige Anhänglichkeit
- Kaum Bezug zu Eltern oder primären Bezugspersonen
- Unangemessene soziale Annäherung, z. B. sofortiges Umarmen oder Mitgehen mit Fremden
- Hintergrund oft frühe Vernachlässigung, häufige Wechsel der Betreuungspersonen
💡 Codierung und Besonderheiten
- F94.2 – Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung (disinhibierte Bindungsstörung)
- Abgrenzung zu F94.1 (reaktive Bindungsstörung) – hier liegt Enthemmung, nicht Zurückgezogenheit vor
- Wichtig: Diagnose nur bei deutlicher, anhaltender Bindungsstörung und klinisch relevantem Leidensdruck
F94.8 Sonstige Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit
Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:
🙈 Kernmerkmale
- Deutliche Probleme in sozialen Interaktionen und im Verhalten gegenüber Gleichaltrigen oder Erwachsenen
- Unangemessene soziale Reaktionen oder Schwierigkeiten, soziale Regeln einzuhalten
- Beeinträchtigung von Freundschaften, Gruppenaktivitäten oder schulischer Integration
- Symptome passen nicht zu spezifischen F94-Diagnosen (z. B. Elektiver Mutismus, Bindungsstörungen)
🧒 Entwicklungsaspekte
- Beginn in der Kindheit, oft im Vorschul- oder frühen Schulalter
- Beeinträchtigt die normale Entwicklung sozialer Kompetenzen und altersgerechter Beziehungen
- Kann langfristige Auswirkungen auf Selbstwert, Kooperation und soziale Anpassung haben
⏳ Verlauf & Dauer
- Symptome bestehen über Wochen bis Monate und sind stabil
- Persistierend ohne angemessene therapeutische Intervention
- Verlauf abhängig von familiären, sozialen und schulischen Rahmenbedingungen
❌ Ausschlusskriterien
- Nicht besser erklärbar durch F94.0–F94.2, Autismus-Spektrum-Störungen oder andere psychische Störungen
- Keine bloßen Anpassungsprobleme oder vorübergehende soziale Schwierigkeiten
👧 Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Kind zeigt wiederholte Schwierigkeiten in Gruppenaktivitäten oder beim Einhalten sozialer Regeln
- Probleme, altersgerechte Freundschaften aufzubauen oder zu halten
- Unangemessene Reaktionen auf soziale Situationen, z. B. extreme Rückzugstendenzen oder übertriebene Anpassung
- Kein spezifisches Muster wie bei Elektivem Mutismus oder Bindungsstörungen
💡 Codierung und Besonderheiten
- F94.8 – Sonstige Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit
- Dient als Restkategorie für klinisch relevante soziale Funktionsstörungen im Kindesalter
- Wichtig: Diagnose nur bei deutlichem Leidensdruck und nachhaltiger Beeinträchtigung sozialer Funktionen
F94.9 Störung sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit, nicht näher bezeichnet
Weitere ICD-10-Diagnosen
ICD-10 Diagnosen
- F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
- F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
- F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
- F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen - F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen - F70-F79 Intelligenzstörung
- F80-F89 Entwicklungsstörungen
- F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
- F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
Quellen
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