F-Diagnosen ICD 10F60-F69 → F66. Psychische & Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung & Orientierung

F66.- Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung

Die Diagnose F66.- umfasst psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung und beschreibt Beeinträchtigungen oder Konflikte im Erleben und Verhalten im Zusammenhang mit sexueller Identität oder Orientierung. Sie dient der Klassifikation solcher Störungen zur gezielten Unterstützung und Therapie.

Info zu der F66.- Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung

Die ICD-10-Diagnosegruppe F66.- umfasst psychische und Verhaltensstörungen, die mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung zusammenhängen. Diese Störungen treten typischerweise auf, wenn die betroffene Person Konflikte, Unsicherheiten oder Anpassungsschwierigkeiten in Bezug auf ihre sexuelle Identität, Orientierung oder sexuelle Beziehungen erlebt.

Die F66.-Kategorie wird vergeben, wenn die Probleme eindeutig psychisch bedingt sind und keine organische Ursache oder primäre Sexualpräferenzstörung (F65.-) vorliegt. Sie umfasst sowohl vorübergehende Entwicklungsprobleme wie die sexuelle Reifungskrise (F66.0) als auch persistente Konflikte oder Belastungen im Zusammenhang mit der sexuellen Identität, Orientierung oder Beziehungen (z. B. F66.1, F66.2).

Diagnosekriterien F66.-

ICD-10 Code / Störung Typische Merkmale
F66.0 – Sexuelle Reifungskrise Vorübergehende Konflikte oder Unsicherheiten während der sexuellen Reifung, emotionale Belastung, Unsicherheit in Bezug auf Identität, partnerschaftliche Beziehungen oder Rollenverständnis.
F66.1 – Ichdystone Sexualorientierung Innere Konflikte oder Leid aufgrund sexueller Orientierung, die als nicht zugehörig oder unangemessen empfunden wird, Angst oder Schuldgefühle in Bezug auf sexuelle Präferenzen.
F66.2 – Sexuelle Beziehungsstörung Schwierigkeiten in der partnerschaftlichen Sexualität, Unzufriedenheit oder Konflikte in sexuellen Beziehungen, beeinträchtigende Interaktionen mit Partnern.
F66.8 – Sonstige psychische & Verhaltensstörungen Andere psychische oder Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang mit sexueller Entwicklung oder Orientierung, klinisch relevant, nicht unter F66.0–F66.2 klassifiziert.
F66.9 – Psychische & Verhaltensstörung, nicht näher bezeichnet Unspezifische Störungen im Zusammenhang mit sexueller Entwicklung oder Orientierung, Hinweise auf klinische Relevanz ohne genauere Zuordnung.

Codierung der F66.- Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung

F66.0 Sexuelle Reifungskrise

Mehr erfahren »

F66.1 Ichdystone Sexualorientierung

Mehr erfahren »

F66.2 Sexuelle Beziehungsstörung

Mehr erfahren »

F66.8 Sonstige psychische & Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung & Orientierung

Mehr erfahren »

F66.9 Psychische & Verhaltensstörung in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung & Orientierung, nicht näher bezeichnet

Mehr erfahren »

F66.0 Sexuelle Reifungskrise

Die sexuelle Reifungskrise (F66.0) ist eine vorübergehende psychische Störung, die im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter auftritt, wenn die betroffene Person Schwierigkeiten hat, ihre sexuelle Identität, Wünsche oder Rollen angemessen zu entwickeln oder anzupassen. Sie stellt keine anhaltende Persönlichkeits- oder Sexualpräferenzstörung dar, sondern ist meist eine vorübergehende Krise im Entwicklungsprozess.

 

Diagnosekriterien der F66.0 Sexuelle Reifungskrise

Die Kriterien beinhalten:

 

⚡ Vorübergehende Störung der sexuellen Entwicklung

  • Unsicherheit oder Konflikte bezüglich der sexuellen Identität oder Rollen
  • Verwirrung über sexuelle Wünsche, Orientierung oder Verhalten

⏳ Dauer

  • Meist vorübergehend, tritt während der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter auf
  • Dauer ist zeitlich begrenzt und überwiegend entwicklungsbedingt

📉 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Vorübergehender Leidensdruck oder Konflikte in sozialen oder zwischenmenschlichen Beziehungen
  • Keine langfristige Funktionsstörung wie bei F65.- Störungen der Sexualpräferenz

❌ Ausschluss

  • Keine persistente Sexualpräferenzstörung (F65.-)
  • Nicht erklärbar durch organische Ursachen oder andere psychische Störungen

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Jugendlicher fühlt sich überfordert mit sexuellen Gefühlen oder Orientierung
  • Verunsicherung im Umgang mit eigenen sexuellen Wünschen
  • Vorübergehende Konflikte mit Partnern oder Peers aufgrund der Unsicherheit

 

Codierung und Besonderheiten

  • F66.0 gehört zu den Störungen der sexuellen Entwicklung und Orientierung (F66.-)
  • Abgrenzung: Dauerhafte Störungen der Sexualpräferenz (F65.-) oder andere sexuelle Entwicklungsstörungen müssen ausgeschlossen werden
  • Therapie: Psychosoziale Unterstützung, Beratung, ggf. Verhaltenstherapie oder Paar-/Familienberatung

F66.1 Ichdystone Sexualorientierung

Die ichdystone Sexualorientierung (F66.1) beschreibt eine anhaltende Unsicherheit oder Konflikte hinsichtlich der eigenen sexuellen Orientierung, die als belastend oder unvereinbar mit dem Selbstbild erlebt wird. Betroffene empfinden ihre sexuellen Wünsche, Vorlieben oder Identität als fremd oder unangemessen, was zu erheblichem psychischem Stress führen kann.

 

Diagnosekriterien der F66.1 Ichdystone Sexualorientierung

Die Kriterien beinhalten:

 

⚡ Anhaltende Unsicherheit oder Konflikte bezüglich der Sexualorientierung

  • Die betroffene Person empfindet ihre sexuelle Orientierung als unvereinbar mit dem Selbstbild
  • Konflikte betreffen Wünsche, Fantasien oder Beziehungen

⏳ Dauer

  • Symptome bestehen über längere Zeiträume und zeigen sich kontinuierlich
  • Die Unsicherheit ist nicht nur vorübergehend wie bei einer Reifungskrise (F66.0)

📉 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Erheblicher Leidensdruck, z. B. Angst, Depression, soziale Isolation
  • Beeinträchtigung in zwischenmenschlichen Beziehungen oder bei der Lebensführung

❌ Ausschluss

  • Keine organische Ursache oder andere psychische Störung, die das Verhalten erklärt
  • Abgrenzung: Vorübergehende sexuelle Reifungskrise (F66.0) oder persistente Sexualpräferenzstörungen (F65.-)

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Betroffene fühlen sich innerlich zerrissen zwischen eigener Orientierung und Selbstbild
  • Intensive Sorgen oder Schuldgefühle in Bezug auf die sexuelle Identität
  • Probleme in Partnerschaften oder beim Aufbau sozialer Beziehungen

 

Codierung und Besonderheiten

  • F66.1 gehört zu den Störungen der sexuellen Entwicklung und Orientierung (F66.-)
  • Therapie: Psychosoziale Beratung, Verhaltenstherapie, ggf. Paar- oder Familientherapie
  • Ziel: Reduktion von Leidensdruck, Förderung der Selbstakzeptanz und Identitätsintegration

F66.2 Sexuelle Beziehungsstörung

Die sexuelle Beziehungsstörung (F66.2) bezeichnet Schwierigkeiten in der Entwicklung oder Aufrechterhaltung einer befriedigenden sexuellen Beziehung. Diese Störung ist psychisch bedingt und führt zu Konflikten, Unzufriedenheit oder Leidensdruck innerhalb von Partnerschaften. Sie ist nicht auf organische Ursachen zurückzuführen und stellt keine persistente Sexualpräferenzstörung dar.

 

Diagnosekriterien der F66.2 Sexuelle Beziehungsstörung

Die Kriterien beinhalten:

 

⚡ Beeinträchtigte sexuelle Interaktion

  • Probleme bei Aufbau oder Aufrechterhaltung von sexuellen Beziehungen
  • Wiederkehrende Konflikte oder Unzufriedenheit im Sexualleben

⏳ Dauer

  • Störung besteht über längere Zeiträume und ist nicht nur vorübergehend

📉 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Erheblicher Leidensdruck bei der betroffenen Person oder beim Partner
  • Beeinträchtigung der Beziehung oder der sozialen Funktion

❌ Ausschluss

  • Nicht erklärbar durch organische Ursachen oder andere psychische Störungen
  • Abgrenzung: Keine persistente Sexualpräferenzstörung (F65.-) oder Ichdystone Sexualorientierung (F66.1)

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Paare, die wiederholt sexuelle Konflikte oder Unzufriedenheit erleben
  • Vermeidung sexueller Kontakte aufgrund psychischer Belastung
  • Partnerschaftliche Spannungen, die durch Unsicherheiten oder Ängste in Bezug auf Sexualität verstärkt werden

 

Codierung und Besonderheiten

  • F66.2 gehört zu den Störungen der sexuellen Entwicklung und Orientierung (F66.-)
  • Therapie: Paar- oder Sexualtherapie, Verhaltenstherapie, ggf. Beratung zur Konfliktbewältigung
  • Ziel: Verbesserung der sexuellen Beziehung, Reduktion von Konflikten und Leidensdruck

F66.8 Sonstige psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung

F66.8 – Sonstige psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung wird verwendet, wenn psychische oder Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit der sexuellen Entwicklung oder Orientierung vorliegen, die nicht unter die spezifischen F66-Unterkategorien wie sexuelle Reifungskrise (F66.0), ichdystone Sexualorientierung (F66.1) oder sexuelle Beziehungsstörung (F66.2) fallen.

Diese Störungen sind psychisch bedingt, führen zu Leidensdruck oder Beeinträchtigungen und können die Entwicklung der sexuellen Identität oder die Ausübung gesunder Sexualbeziehungen erschweren.

F66.9 Psychische und Verhaltensstörung in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung, nicht näher bezeichnet

F66.9 – Psychische und Verhaltensstörung in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung, nicht näher bezeichnet wird verwendet, wenn eine psychische oder Verhaltensstörung im Zusammenhang mit der sexuellen Entwicklung oder Orientierung vorliegt, die eindeutig psychisch bedingt ist, jedoch nicht ausreichend Informationen bestehen, um sie einer der spezifischen Unterkategorien F66.0–F66.8 zuzuordnen.

Diese Diagnose dient als Auffangkategorie für Störungen, die nicht klar klassifizierbar sind, jedoch zu Leidensdruck oder funktionellen Beeinträchtigungen führen.

Weitere ICD-10-Diagnosen

Sie möchten mehr über verwandte psychische Störungen erfahren? Hier finden Sie Informationen zu anderen Kapiteln der ICD-10 – kompakt und verständlich erklärt.

ICD-10 Diagnosen

  • F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
  • F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
  • F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
  • F30-F39 Affektive Störungen
    F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
  • F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
    F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • F70-F79 Intelligenzstörung
  • F80-F89 Entwicklungsstörungen
  • F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
  • F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

Quellen

Die mit * gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links (Amazon SiteStripe). Wenn Sie über einen solchen Link einkaufen, erhalten wir eine kleine Provision – für Sie bleibt der Preis unverändert.