F-Diagnosen ICD 10F60-F69 → F62. Andauernde Persönlichkeitsänderungen

62.- Andauernde Persönlichkeitsänderungen, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns

Die Diagnose F62.- steht für andauernde Persönlichkeitsänderungen, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns und beschreibt langfristige Veränderungen in Verhalten, Gefühlen und Denken, die nicht durch organische Ursachen bedingt sind. Sie dient der Klassifikation tiefgreifender psychischer Anpassungen oder Störungen der Persönlichkeit.

Info zu der F62.- Andauernde Persönlichkeitsänderungen

Dieser Abschnitt enthält eine Reihe von klinisch wichtigen, meist länger anhaltenden Zustandsbildern und Verhaltensmustern. Sie sind Ausdruck des charakteristischen, individuellen Lebensstils, des Verhältnisses zur eigenen Person und zu anderen Menschen. Einige dieser Zustandsbilder und Verhaltensmuster entstehen als Folge konstitutioneller Faktoren und sozialer Erfahrungen schon früh im Verlauf der individuellen Entwicklung, während andere erst später im Leben erworben werden. Die spezifischen Persönlichkeitsstörungen (F60.-), die kombinierten und anderen Persönlichkeitsstörungen (F61) und die Persönlichkeitsänderungen (F62.-) sind tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Sie verkörpern gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerung deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in den Beziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabil und beziehen sich auf vielfältige Bereiche des Verhaltens und der psychologischen Funktionen. Häufig gehen sie mit einem unterschiedlichen Ausmaß persönlichen Leidens und gestörter sozialer Funktionsfähigkeit einher.

Diagnosekriterien F62.- Andauernde Persönlichkeitsänderungen

ICD-10 Code / Störung Typische Symptome Anzahl erforderlicher Symptome
F62.0 – Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung Übermäßige Vorsicht, Misstrauen, sozialer Rückzug, emotionale Kälte, Aggressivität oder Impulsivität, Gefühle von Leere, Anhedonie, Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Verhalten. ≥ 3–4 Merkmale
F62.1 – Andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit Veränderungen im Affekt, Motivation und Verhalten, emotionale Labilität, soziale Rückzugstendenzen, verminderte Belastbarkeit, Anpassungsschwierigkeiten im Alltag. ≥ 3–4 Merkmale
F62.8 – Sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen Andere, nicht unter F62.0 oder F62.1 fallende andauernde Persönlichkeitsveränderungen mit klinischer Bedeutung. Variabel
F62.9 – Andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht näher bezeichnet Allgemeine Hinweise auf andauernde maladaptive Persönlichkeitsveränderungen ohne genauere Zuordnung. Variabel

Codierung der F62.- Andauernde Persönlichkeitsänderungen

F62.0 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung

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F62.1 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit

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F62.8- Sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen

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F62.9 Andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht näher bezeichnet

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F62.0 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung

Die andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung ist durch tiefgreifende, anhaltende Veränderungen der Persönlichkeit gekennzeichnet, die nach einer extrem belastenden Erfahrung wie Krieg, Folter, Naturkatastrophen oder schweren Misshandlungen auftreten. Betroffene zeigen langfristige Veränderungen in Einstellungen, Verhalten, emotionaler Reaktivität und sozialen Interaktionen, die zuvor nicht vorhanden waren.

 

Diagnosekriterien der F62.0 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

⚡ Auftreten nach Extrembelastung

  • klarer Zusammenhang zwischen extremem traumatischem Ereignis und Persönlichkeitsveränderung
  • die Veränderungen treten nicht vor dem belastenden Ereignis auf

🧠 Anhaltende Veränderungen der Persönlichkeit

  • negative Einstellungen gegenüber sich selbst, anderen oder der Welt
  • veränderte emotionale Reaktivität, z. B. erhöhte Reizbarkeit, Misstrauen oder emotionale Abstumpfung
  • Verhaltensänderungen, z. B. soziale Rückzugstendenzen oder Aggression

❌ Deutliche Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer Lebensbereiche
  • anhaltende Störungen in Beziehungen oder Alltagsbewältigung

🔄 Ausschluss anderer psychischer Störungen

  • die Symptome sind nicht besser durch andere Persönlichkeitsstörungen (F60.-), Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) erklärbar

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • anhaltendes Misstrauen gegenüber anderen nach Folter oder Gefangenschaft
  • erhöhte Aggressivität oder emotionale Abstumpfung nach Kriegserfahrungen
  • sozialer Rückzug, depressive Verstimmungen oder anhaltende Angstreaktionen

 

Codierung und Besonderheiten

  • F62.0 ist eine spezifische Kategorie für dauerhafte Persönlichkeitsänderungen infolge extremer psychischer Belastungen
  • Abgrenzung zu posttraumatischer Belastungsstörung (F43.1) notwendig: hier steht die andauernde Persönlichkeitsveränderung im Vordergrund
  • Therapie: Langfristige Psychotherapie, Traumabearbeitung, soziale und emotionale Rehabilitation

F62.1 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit

Die andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit beschreibt tiefgreifende, anhaltende Veränderungen der Persönlichkeit, die im Anschluss an eine schwere oder langanhaltende psychische Erkrankung auftreten. Betroffene zeigen dauerhaft veränderte Verhaltensweisen, Einstellungen, emotionale Reaktivität oder soziale Interaktionen, die zuvor nicht vorhanden waren und über die akute Krankheitsphase hinaus bestehen.

 

Diagnosekriterien der F62.1 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

⚡ Auftreten nach psychischer Erkrankung

  • klarer zeitlicher Zusammenhang zwischen einer psychischen Erkrankung und der Persönlichkeitsänderung
  • Veränderungen treten erst nach der Erkrankung auf

🧠 Anhaltende Persönlichkeitsveränderungen

  • dauerhafte Veränderungen von Einstellungen, Verhalten und emotionaler Reaktivität
  • z. B. Misstrauen, emotionale Labilität, soziale Rückzugstendenzen

❌ Deutliche Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche
  • anhaltende Störungen im Alltag, Beziehungen oder beruflichen Funktionen

🔄 Ausschluss anderer Ursachen

  • die Veränderungen sind nicht besser durch andere Persönlichkeitsstörungen (F60.-) oder neurologische Erkrankungen erklärbar

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • anhaltender sozialer Rückzug nach langer depressiver Episode
  • permanente emotionale Labilität oder Reizbarkeit nach Psychose oder Manie
  • dauerhafte Veränderungen im Selbstbild und in zwischenmenschlichen Beziehungen nach schwerer Angst- oder Zwangserkrankung

 

Codierung und Besonderheiten

  • F62.1 wird verwendet, wenn eine andauernde Persönlichkeitsveränderung eindeutig auf eine psychische Erkrankung zurückgeht
  • Abgrenzung zu F62.0 (nach Extrembelastung) und anderen Persönlichkeitsstörungen notwendig
  • Therapie: Psychotherapie, Rehabilitation, soziale Wiedereingliederung, ggf. begleitende medikamentöse Behandlung

F62.8- Sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen

Die sonstigen andauernden Persönlichkeitsänderungen umfassen tiefgreifende, anhaltende Veränderungen der Persönlichkeit, die nicht eindeutig auf Extrembelastungen (F62.0) oder psychische Krankheiten (F62.1) zurückgeführt werden können. Betroffene zeigen stabile, maladaptive Verhaltens- und Erlebensmuster, die soziale, berufliche oder andere Lebensbereiche erheblich beeinträchtigen. Dabei wird zwischen folgenden Subkategorien unterschieden:

  • F62.80 Andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom
  • F62.88 Sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen

 

F62.80 Andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom

Die andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom beschreibt tiefgreifende, anhaltende Veränderungen der Persönlichkeit infolge langanhaltender Schmerzen. Betroffene zeigen stabile, maladaptive Verhaltens- und Erlebensmuster, die sich aus der chronischen körperlichen Belastung entwickeln und soziale, berufliche sowie andere Lebensbereiche beeinträchtigen.

 

Diagnosekriterien der F62.80 Andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

⚡ Auftreten im Kontext chronischer Schmerzen

  • klarer Zusammenhang zwischen langanhaltendem Schmerz und Persönlichkeitsveränderung
  • die Veränderungen treten erst nach Beginn des chronischen Schmerzsyndroms auf

🧠 Anhaltende Persönlichkeitsveränderungen

  • dauerhafte Veränderungen in Einstellungen, Verhalten und emotionaler Reaktivität
  • z. B. erhöhte Reizbarkeit, Rückzug, Pessimismus oder emotionale Labilität

❌ Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche
  • anhaltende Schwierigkeiten in Beziehungen oder Alltagsbewältigung

🔄 Ausschluss anderer Ursachen

  • die Veränderungen sind nicht besser durch Extrembelastungen (F62.0), psychische Krankheiten (F62.1) oder andere Persönlichkeitsstörungen (F60.-) erklärbar

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • anhaltender Rückzug aus sozialen Aktivitäten aufgrund chronischer Schmerzen
  • dauerhafte Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen in Folge körperlicher Belastung
  • negatives Selbstbild und verminderte Belastbarkeit im Alltag

 

F62.88 Sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen

Die sonstigen andauernden Persönlichkeitsänderungen beschreiben tiefgreifende, stabile Veränderungen der Persönlichkeit, die nicht eindeutig auf Extrembelastungen (F62.0), psychische Krankheiten (F62.1) oder chronische körperliche Erkrankungen (F62.80) zurückgeführt werden können. Betroffene zeigen maladaptive Verhaltens- und Erlebensmuster, die überdauernd sind und soziale, berufliche oder andere Lebensbereiche beeinträchtigen.

 

Diagnosekriterien der F62.88 Sonstige andauernde Persönlichkeitsänderungen

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🧩 Deutliche, anhaltende Veränderungen

  • dauerhafte Modifikationen von Verhalten, Einstellungen oder emotionaler Reaktivität
  • Veränderungen bestehen über Monate bis Jahre und zeigen Stabilität

⚡ Beeinträchtigung wichtiger Lebensbereiche

  • deutliche Einschränkungen in sozialen, beruflichen oder familiären Kontexten
  • anhaltende Konflikte oder maladaptive Verhaltensmuster

❌ Ausschluss bekannter Ursachen

  • die Veränderungen lassen sich nicht besser durch Extrembelastungen (F62.0), psychische Krankheiten (F62.1) oder chronische körperliche Erkrankungen (F62.80) erklären
  • keine Zuordnung zu anderen Persönlichkeitsstörungen (F60.-) möglich

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • persistente Anpassungsprobleme und emotionale Dysregulation ohne eindeutig identifizierbare Ursache
  • andauernde maladaptive Denk- und Verhaltensmuster, die Alltagsbewältigung und Beziehungen beeinträchtigen
  • soziale Isolation oder problematische zwischenmenschliche Interaktionen

F62.9 Andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht näher bezeichnet

Die andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht näher bezeichnet, wird verwendet, wenn eine stabile, tiefgreifende Veränderung der Persönlichkeit vorliegt, die sich nicht eindeutig einer der spezifischen Unterkategorien (F62.0, F62.1, F62.8) zuordnen lässt. Betroffene zeigen maladaptive Verhaltens- und Erlebensmuster, die überdauernd sind und soziale, berufliche oder andere Lebensbereiche beeinträchtigen.

Weitere ICD-10-Diagnosen

Sie möchten mehr über verwandte psychische Störungen erfahren? Hier finden Sie Informationen zu anderen Kapiteln der ICD-10 – kompakt und verständlich erklärt.

ICD-10 Diagnosen

  • F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
  • F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
  • F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
  • F30-F39 Affektive Störungen
    F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
  • F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
    F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • F70-F79 Intelligenzstörung
  • F80-F89 Entwicklungsstörungen
  • F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
  • F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

Quellen

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