F-Diagnosen ICD 10F60-F69 → F60. Spezifische Persönlichkeitsstörungen

F60.- Spezifische Persönlichkeitsstörungen

Die Diagnose F60.- steht für spezifische Persönlichkeitsstörungen und umfasst dauerhaft ausgeprägte Verhaltens- und Erlebensmuster, die deutlich von kulturellen Normen abweichen und zu Beeinträchtigungen im sozialen oder beruflichen Leben führen. Sie ermöglicht eine gezielte Klassifikation und differenzierte Therapieplanung.

Info zu der F60.- Spezifische Persönlichkeitsstörungen

Dieser Abschnitt enthält eine Reihe von klinisch wichtigen, meist länger anhaltenden Zustandsbildern und Verhaltensmustern. Sie sind Ausdruck des charakteristischen, individuellen Lebensstils, des Verhältnisses zur eigenen Person und zu anderen Menschen. Einige dieser Zustandsbilder und Verhaltensmuster entstehen als Folge konstitutioneller Faktoren und sozialer Erfahrungen schon früh im Verlauf der individuellen Entwicklung, während andere erst später im Leben erworben werden. Die spezifischen Persönlichkeitsstörungen (F60.-), die kombinierten und anderen Persönlichkeitsstörungen (F61) und die Persönlichkeitsänderungen (F62.-) sind tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Sie verkörpern gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerung deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in den Beziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabil und beziehen sich auf vielfältige Bereiche des Verhaltens und der psychologischen Funktionen. Häufig gehen sie mit einem unterschiedlichen Ausmaß persönlichen Leidens und gestörter sozialer Funktionsfähigkeit einher.

Diagnosekriterien der F60.- Spezifische Persönlichkeitsstörungen

ICD-10 Code / Störung Typische Symptome Anzahl erforderlicher Symptome
F60.1 – Schizoide Persönlichkeitsstörung Geringes Bedürfnis nach sozialen Kontakten, eingeschränkte emotionale Ausdrucksfähigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber Lob/Kritik, Mangel an engen Freundschaften, Bevorzugung einsamer Tätigkeiten. ≥ 4
F60.2 – Dissoziale Persönlichkeitsstörung Missachtung sozialer Normen, Impulsivität, Aggressivität, Verantwortungslosigkeit, Mangel an Reue, Schwierigkeiten in langfristigen Beziehungen. ≥ 3
F60.3 – Emotional instabile Persönlichkeitsstörung Starke Stimmungsschwankungen, impulsives Verhalten (z. B. Selbstverletzung), Schwierigkeiten in Beziehungen, Reizbarkeit, Unsicherheit über Selbstbild und Ziele. ≥ 3
F60.4 – Histrionische Persönlichkeitsstörung Theatralisches, übertrieben emotionales Verhalten, Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, oberflächliche Emotionen, leicht beeinflussbar, Fokus auf äußere Erscheinung. ≥ 4
F60.5 – Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung Perfektionismus, übermäßige Gewissenhaftigkeit, Starrheit, Kontrollbedürfnis, Detailorientierung, Schwierigkeiten Aufgaben zu delegieren. ≥ 4
F60.6 – Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung Übermäßige Angst vor Kritik, soziale Hemmung, Minderwertigkeitsgefühle, Vermeidung sozialer Kontakte, Bedürfnis nach Sicherheit. ≥ 4
F60.7 – Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung Übermäßige Abhängigkeit von anderen, Unsicherheit in Entscheidungen, Unterordnung, Angst vor Trennung, Hilflosigkeit bei Problemen. ≥ 5
F60.8 – Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen Symptome, die nicht unter vorherige Kategorien fallen, klinisch relevante Persönlichkeitsabweichungen, individuelle Merkmalskombinationen. Variabel
F60.9 – Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet Unklare oder nicht näher spezifizierte Persönlichkeitsstörungen, allgemeine Hinweise auf anhaltende maladaptive Verhaltens- und Erlebensmuster. Variabel

Codierung der F60.- Spezifische Persönlichkeitsstörungen

F60.0 Paranoide Persönlichkeitsstörung

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F60.1 Schizoide Persönlichkeitsstörung

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F60.2 Dissoziale Persönlichkeitsstörung

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F60.3- Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

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F60.4 Histrionische Persönlichkeitsstörung

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F60.5 Anankastische [zwanghafte] Persönlichkeitsstörung

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F60.6 Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung

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F60.7 Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung

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F60.8 Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen

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F60.9 Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet

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F60.0 Paranoide Persönlichkeitsstörung

Die paranoide Persönlichkeitsstörung ist durch ein tiefgreifendes Misstrauen und eine anhaltende Feindseligkeit gegenüber anderen gekennzeichnet. Betroffene neigen dazu, die Handlungen anderer als böswillig oder bedrohlich zu interpretieren, selbst wenn keine objektiven Anhaltspunkte dafür bestehen. Dieses Muster ist stabil, betrifft mehrere Lebensbereiche und beginnt typischerweise im frühen Erwachsenenalter.

 

Diagnosekriterien der F60.0 Paranoide Persönlichkeitsstörung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🧠 Misstrauen und Argwohn

  • andere werden grundsätzlich als ausnutzend, schädigend oder betrügerisch angesehen
  • Interpretation harmloser Handlungen als böswillig

⚡ Überempfindlichkeit gegenüber Kränkungen

  • Groll und ständige Verdächtigungen
  • leichte Beleidigungen oder Kritik werden übermäßig stark wahrgenommen

❌ Mangelnde Bereitschaft zur Vertraulichkeit

  • zögerliches Teilen von Informationen oder Gedanken aus Angst vor Missbrauch

🔄 Starrheit und Rigidität im Denken

  • unflexible Meinungen, unversöhnliche Haltung gegenüber wahrgenommenen Bedrohungen

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche
  • anhaltende Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • ständige Verdächtigungen, dass Kollegen hinter dem Rücken intrigieren
  • anhaltendes Misstrauen gegenüber Freunden oder Partnern
  • überempfindlich auf vermeintliche Kritik oder Ablehnung

 

Codierung und Besonderheiten

  • F60.0 ist die Unterkategorie der paranoiden Persönlichkeitsstörung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen (F60.-)
  • Abgrenzung zu anderen Persönlichkeitsstörungen und psychotischen Störungen ist wichtig
  • Therapie: Psychotherapie (z. B. kognitive Verhaltenstherapie), Aufbau von Vertrauen und Bewältigungsstrategien

F60.1 Schizoide Persönlichkeitsstörung

Die schizoide Persönlichkeitsstörung ist durch ein tiefgreifendes Muster sozialer Zurückgezogenheit und eingeschränkter emotionaler Ausdrucksfähigkeit gekennzeichnet. Betroffene zeigen kaum Interesse an engen Beziehungen, ziehen Einsamkeit vor und wirken emotional distanziert. Dieses Verhaltensmuster ist stabil und betrifft mehrere Lebensbereiche, häufig beginnend im frühen Erwachsenenalter.

 

Diagnosekriterien der F60.1 Schizoide Persönlichkeitsstörung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🧠 Soziale Isolation

  • Bevorzugung von Einzelaktivitäten, geringes Interesse an engen Beziehungen
  • Distanzierte Haltung gegenüber Familie, Freunden oder Kollegen

⚡ Eingeschränkter emotionaler Ausdruck

  • kaum Ausdruck von Freude, Ärger oder anderen Gefühlen
  • begrenzte emotionale Reaktionen in sozialen Situationen

❌ Geringes Interesse an Sexualität und sozialen Kontakten

  • wenig oder kein Verlangen nach intimen Beziehungen
  • fehlendes Bedürfnis nach Freundschaft oder gesellschaftlicher Interaktion

🔄 Tendenz zur Einsamkeit

  • präferierte Aktivität ist meist allein
  • keine Freude an familiären oder sozialen Verpflichtungen

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche
  • eingeschränkte Anpassungsfähigkeit in zwischenmenschlichen Situationen

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • vermeidet soziale Kontakte und Gruppenaktivitäten
  • wirklich nur eingeschränktes Interesse an Freundschaften oder Partnerschaften
  • zeigt kaum emotionale Reaktionen, selbst in familiären Situationen

 

Codierung und Besonderheiten

  • F60.1 ist die Unterkategorie der schizoiden Persönlichkeitsstörung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen (F60.-)
  • Abgrenzung zu schizotypen oder paranoiden Persönlichkeitsstörungen ist erforderlich
  • Therapie: Psychotherapie zur Förderung sozialer Fähigkeiten und Emotionswahrnehmung; medikamentöse Behandlung nur bei begleitenden Symptomen

F60.2 Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist durch ein anhaltendes Muster von Missachtung und Verletzung der Rechte anderer gekennzeichnet. Betroffene zeigen Impulsivität, Aggressivität und Mangel an Empathie oder Reue. Dieses Verhalten ist stabil, betrifft mehrere Lebensbereiche und beginnt typischerweise im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter.

 

Diagnosekriterien der F60.2 Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🧠 Missachtung sozialer Normen

  • häufige Verstöße gegen Gesetze oder gesellschaftliche Regeln
  • Fehlende Verantwortungsübernahme für Handlungen

⚡ Impulsivität und Reizbarkeit

  • plötzliche aggressive oder risikoreiche Handlungen
  • Unfähigkeit, langfristige Pläne einzuhalten

❌ Mangel an Empathie oder Schuldgefühlen

  • keine Reue nach dem Schädigen anderer
  • ausbeuterisches oder manipulatives Verhalten

🔄 Verantwortungslosigkeit

  • chronisches Versagen, berufliche oder finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen
  • vernachlässigendes Verhalten gegenüber Familie oder sozialen Bindungen

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder rechtlicher Lebensbereiche
  • erhöhtes Risiko für Konflikte, Inhaftierung oder soziale Isolation

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Wiederholte kriminelle Handlungen oder Gesetzesverstöße
  • Manipulatives Verhalten in Beziehungen oder Beruf
  • häufig impulsive Entscheidungen ohne Rücksicht auf Folgen

 

Codierung und Besonderheiten

  • F60.2 ist die Unterkategorie der dissozialen Persönlichkeitsstörung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen (F60.-)
  • Abgrenzung zu antisozialem Verhalten bei organischen oder akuten psychischen Störungen ist erforderlich
  • Therapie: Psychotherapie (z. B. kognitive Verhaltenstherapie), soziale Trainingsprogramme, gelegentlich medikamentöse Behandlung von Begleitsymptomen

F60.3- Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung ist durch ausgeprägte Impulsivität und instabile emotionale Reaktionen gekennzeichnet. Betroffene haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle und Handlungen zu kontrollieren, was zu instabilen zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmungsschwankungen und selbstschädigendem Verhalten führen kann. Dieses Muster beginnt typischerweise in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und betrifft mehrere Lebensbereiche. Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung (F60.3) wird nach ICD-10 in zwei Subtypen unterteilt:

  • F60.30 – Impulsiver Typ
  • F60.31 – Borderline-Typ

 

F60.30 Impulsiver Typ

Der impulsive Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung ist durch ausgeprägte Impulsivität gekennzeichnet. Betroffene handeln oft spontan und unüberlegt, ohne die Konsequenzen ihres Verhaltens abzuschätzen. Emotionale Reaktionen sind instabil, aber zwischenmenschliche Beziehungen zeigen weniger dramatische Schwankungen als beim Borderline-Typ.

 

Diagnosekriterien der F60.30 Impulsiver Typ

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

⚡ Ausgeprägte Impulsivität

  • spontane, unüberlegte Handlungen ohne Rücksicht auf Konsequenzen
  • unüberlegte finanzielle, sexuelle oder aggressive Handlungen möglich

🧠 Emotionale Instabilität

  • plötzliche Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder Wutanfälle
  • Gefühle können sehr intensiv, aber kurzlebig sein

❌ Weniger ausgeprägte Beziehungsschwankungen

  • zwischenmenschliche Beziehungen sind nicht so stark instabil wie beim Borderline-Typ
  • Idealisierung oder Abwertung von Bezugspersonen tritt selten auf

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche durch impulsives Verhalten
  • Risiko für Konflikte, Unfälle oder rechtliche Probleme

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • spontive Ausgaben oder riskantes Konsumverhalten ohne langfristige Planung
  • plötzliche Wutausbrüche bei alltäglichen Frustrationen
  • gelegentliche aggressive Handlungen oder impulsive Entscheidungen

 

F60.31 Borderline-Typ

Der Borderline-Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung ist durch instabile Stimmung, ein schwankendes Selbstbild und intensive zwischenmenschliche Beziehungsprobleme gekennzeichnet. Betroffene zeigen starke Angst vor Verlassenwerden, wechselnde Idealisierung und Abwertung von Bezugspersonen sowie wiederholtes selbstschädigendes Verhalten. Dieses Muster beginnt typischerweise in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und betrifft mehrere Lebensbereiche.

 

Diagnosekriterien der F60.31 Borderline-Typ

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🧠 Instabile zwischenmenschliche Beziehungen

  • wechselnde Idealisierung und Abwertung von Bezugspersonen
  • intensive Angst vor Trennung oder Verlassenwerden

⚡ Emotionale Instabilität

  • plötzliche Stimmungsschwankungen, intensive Wut, Traurigkeit oder Angst
  • Überempfindlichkeit gegenüber zwischenmenschlichen Konflikten

❌ Impulsives und selbstschädigendes Verhalten

  • wiederholte Selbstverletzungen oder Suizidandrohungen/-versuche
  • riskante Handlungen wie Substanzmissbrauch oder riskante Sexualität

🔄 Instabiles Selbstbild

  • schwankendes Selbstwertgefühl oder Identitätsprobleme
  • Gefühle von Leere oder Sinnlosigkeit

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche
  • hohes Risiko für Konflikte, Krisen und psychische Instabilität

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • häufige Beziehungskonflikte mit abrupten Trennungen und Versöhnungen
  • intensive emotionale Reaktionen auf vermeintliche Ablehnung
  • Selbstverletzungen oder Suizidandrohungen als Reaktion auf emotionale Belastung

F60.4 Histrionische Persönlichkeitsstörung

Die histrionische Persönlichkeitsstörung ist durch ein tiefgreifendes Muster übermäßiger Emotionalität und Aufmerksamkeitssuche gekennzeichnet. Betroffene neigen dazu, dramatisch, theatralisch und oft übertrieben in ihrem Verhalten aufzutreten, um im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Dieses Muster beginnt typischerweise im frühen Erwachsenenalter und betrifft mehrere Lebensbereiche.

 

Diagnosekriterien der F60.4 Histrionische Persönlichkeitsstörung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🎭 Übermäßige Aufmerksamkeitssuche

  • streben danach, im Mittelpunkt zu stehen
  • Verhalten oder äußeres Erscheinungsbild oft dramatisch oder auffällig

🧠 Übertriebene emotionale Ausdrucksformen

  • theatralische Darstellung von Gefühlen
  • Emotionen erscheinen oft oberflächlich oder wechselhaft

⚡ Beeinflussbarkeit durch andere

  • leicht beeinflussbar oder manipulierbar durch andere
  • Abhängigkeit von äußerer Bestätigung für Selbstwertgefühl

❌ Oberflächliche und instabile Beziehungen

  • zwischenmenschliche Bindungen sind oft oberflächlich und wechselhaft
  • Emotionale Nähe wird dramatisiert oder idealisiert, kann schnell abwertend werden

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche
  • Störungen in Beziehungen und beruflicher Stabilität durch dramatisches Verhalten

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • auffällige Kleidung oder dramatische Gestik, um Aufmerksamkeit zu erlangen
  • übermäßige Schmeichelei oder emotionale Inszenierungen in sozialen Situationen
  • starke Abhängigkeit von Bestätigung durch andere, schnelle Stimmungsänderungen bei Ablehnung

 

Codierung und Besonderheiten

  • F60.4 ist eine Unterkategorie der histrionischen Persönlichkeitsstörung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen (F60.-)
  • Abgrenzung zu Borderline- oder emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen erforderlich
  • Therapie: Psychotherapie, insbesondere Verhaltenstherapie oder psychoanalytische Ansätze zur Emotionsregulation und Stabilisierung zwischenmenschlicher Beziehungen

F60.5 Anankastische [zwanghafte] Persönlichkeitsstörung

Die anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung ist durch ein tiefgreifendes Muster von Perfektionismus, Ordnungsliebe und Kontrolle gekennzeichnet. Betroffene legen übermäßigen Wert auf Genauigkeit, Regeln und Planung und zeigen Schwierigkeiten, Aufgaben zu delegieren oder Flexibilität zuzulassen. Dieses Verhaltensmuster beginnt typischerweise im frühen Erwachsenenalter und betrifft mehrere Lebensbereiche.

 

Diagnosekriterien der F60.5 Anankastische [zwanghafte] Persönlichkeitsstörung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🧠 Perfektionismus und Detailorientierung

  • übermäßige Sorge um Ordnung, Genauigkeit und Regeln
  • Aufgaben werden nur erfüllt, wenn sie „perfekt“ sind

⚡ Übermäßige Kontrolle und Vorsicht

  • schwer, Aufgaben zu delegieren
  • rigides Festhalten an Plänen, Zeitplänen und Standards

❌ Rigidität und Unflexibilität

  • schwierige Anpassung an Änderungen oder unvorhergesehene Ereignisse
  • Unfähigkeit, spontane Entscheidungen zu treffen

🔄 Übermäßige Arbeits- und Leistungsorientierung

  • starke Beschäftigung mit Arbeit, Produktivität und Effizienz
  • Vernachlässigung von Freizeit und zwischenmenschlichen Beziehungen möglich

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche
  • Spannungen in Beziehungen durch Perfektionismus oder Kontrollbedürfnis

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • übermäßige Planung und Detailarbeit bei beruflichen Projekten
  • schwierige Delegation von Aufgaben an andere, da nur „eigene Kontrolle“ akzeptiert wird
  • ständige Sorge um Genauigkeit, Regeln und Ordnung im Alltag

 

Codierung und Besonderheiten

  • F60.5 ist eine Unterkategorie der anankastischen (zwanghaften) Persönlichkeitsstörung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen (F60.-)
  • Abgrenzung zu Zwangsstörungen (F42.-) ist wichtig: Bei F60.5 handelt es sich um stabile Persönlichkeitszüge, nicht um episodische Zwangssymptome
  • Therapie: Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, zur Förderung von Flexibilität, Emotionsregulation und zwischenmenschlicher Anpassung

F60.6 Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung

Die ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung ist durch ein tiefgreifendes Muster sozialer Hemmung, Minderwertigkeitsgefühle und übermäßiger Empfindlichkeit gegenüber negativer Bewertung gekennzeichnet. Betroffene vermeiden soziale Interaktionen oder neue Aktivitäten aus Angst vor Kritik, Ablehnung oder Peinlichkeit. Dieses Muster beginnt typischerweise im frühen Erwachsenenalter und betrifft mehrere Lebensbereiche.

 

Diagnosekriterien der F60.6 Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

😟 Soziale Hemmung und Vermeidung

  • Vermeidung von sozialen oder beruflichen Situationen aus Angst vor Kritik oder Ablehnung
  • zögerliches Verhalten in neuen Situationen oder bei neuen Kontakten

🧠 Übermäßige Empfindlichkeit gegenüber negativer Bewertung

  • starke Angst vor Bloßstellung oder Ablehnung
  • Überinterpretation von möglichen Misserfolgen oder Ablehnungssignalen

❌ Gefühl von Unzulänglichkeit

  • Niedriges Selbstwertgefühl, chronische Selbstzweifel
  • Gefühl, anderen nicht gewachsen zu sein

🔄 Einschränkung in Alltagsbereichen

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer wichtiger Lebensbereiche durch Vermeidungsverhalten
  • eingeschränkte Teilnahme an Aktivitäten oder Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • sozialer Rückzug, Schwierigkeiten in beruflichen oder schulischen Situationen
  • anhaltende Belastung durch Angst und Minderwertigkeitsgefühle

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Meidung von sozialen Kontakten oder beruflichen Präsentationen
  • Angst, kritisiert oder ausgelacht zu werden, auch bei geringfügigen Aufgaben
  • starke Zurückhaltung bei neuen Aktivitäten oder Herausforderungen

 

Codierung und Besonderheiten

  • F60.6 ist eine Unterkategorie der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen (F60.-)
  • Abgrenzung zu sozialer Phobie (F40.1) notwendig: Bei F60.6 handelt es sich um ein stabiles Persönlichkeitsmuster, nicht um episodische Ängste
  • Therapie: Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, soziale Kompetenztrainings und Förderung von Selbstwertgefühl

F60.7 Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung

Die abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung ist durch ein tiefgreifendes Muster von Unterwürfigkeit, Bindungsbedürfnis und Schwierigkeiten zur eigenständigen Entscheidungsfindung gekennzeichnet. Betroffene verlassen sich stark auf andere für Unterstützung und Bestätigung, haben Angst vor Trennung oder Ablehnung und zeigen oft unterwürfiges Verhalten. Dieses Muster beginnt typischerweise im frühen Erwachsenenalter und betrifft mehrere Lebensbereiche.

 

Diagnosekriterien der F60.7 Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🤝 Ausgeprägtes Bedürfnis nach Fürsorge

  • starkes Verlangen nach Unterstützung und Zustimmung von anderen
  • Angst vor Verlassenwerden oder Trennung

🧠 Unterwürfiges Verhalten

  • leichte Beeinflussbarkeit durch andere, mangelnde Eigeninitiative
  • Vermeidung von Verantwortung oder Entscheidungsfindung aus Angst vor Fehlern

❌ Schwierigkeiten zur Selbstständigkeit

  • mangelnde Fähigkeit, Aufgaben unabhängig zu bewältigen
  • starke Abhängigkeit in sozialen und beruflichen Situationen

🔄 Angst vor Trennung oder Ablehnung

  • übermäßige Sorge, verlassen oder im Stich gelassen zu werden
  • Verhaltensweisen zur Sicherung von Nähe und Unterstützung anderer

📊 Klinisch relevante Beeinträchtigung

  • Beeinträchtigung sozialer, beruflicher oder anderer Lebensbereiche
  • häufig emotionale Belastung, Unsicherheit und Konflikte durch Abhängigkeit

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • unfähiges Treffen eigener Entscheidungen ohne Zustimmung anderer
  • starke Angst, den Partner oder Bezugspersonen zu verlieren
  • Unterordnung unter andere, um Zuneigung oder Sicherheit zu erhalten

 

Codierung und Besonderheiten

  • F60.7 ist eine Unterkategorie der abhängigen (asthenischen) Persönlichkeitsstörung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen (F60.-)
  • Abgrenzung zu anderen Angst- oder Persönlichkeitsstörungen notwendig
  • Therapie: Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, Förderung von Selbstständigkeit, Selbstwertgefühl und Entscheidungsfähigkeit

F60.8 Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen

Die sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen umfassen tiefgreifende, anhaltende Verhaltens- oder Erlebensmuster, die deutlich von kulturellen Normen abweichen, aber nicht genau einer der definierten Persönlichkeitsstörungen (F60.0–F60.7) zugeordnet werden können. Betroffene zeigen stabile Verhaltensweisen, die ihre sozialen, beruflichen oder anderen Lebensbereiche beeinträchtigen. Dieses Muster beginnt typischerweise im frühen Erwachsenenalter.

F60.9 Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet

Die Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet, wird verwendet, wenn eine tiefgreifende, anhaltende und maladaptive Persönlichkeitseigenschaft vorliegt, die deutlich von kulturellen Normen abweicht, aber nicht ausreichend Informationen oder spezifische Merkmale für die Zuordnung zu einer der definierten Persönlichkeitsstörungen (F60.0–F60.8) vorliegen. Dieses Muster beeinträchtigt die sozialen, beruflichen oder anderen Lebensbereiche und beginnt typischerweise im frühen Erwachsenenalter.

Weitere ICD-10-Diagnosen

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ICD-10 Diagnosen

  • F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
  • F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
  • F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
  • F30-F39 Affektive Störungen
    F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
  • F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
    F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • F70-F79 Intelligenzstörung
  • F80-F89 Entwicklungsstörungen
  • F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
  • F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

Quellen

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