F43.- Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
Info zu der F43.- Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
Diagnoskriterien zu der F43.- Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
| Kriterien / Symptome | F43.0 Akute Belastungsreaktion |
F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung |
F43.2 Anpassungsstörungen |
F43.8 Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung |
F43.9 Nicht näher bezeichnet |
|---|---|---|---|---|---|
| Hauptsymptome • Psychische und körperliche Reaktionen auf außergewöhnliche Belastung • Intensive Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen • Wiedererleben, Vermeidung oder emotionale Taubheit (bei PTBS) |
Kurze, heftige psychische Reaktion unmittelbar nach Belastung | Wiederholtes belastendes Erinnern an Trauma, Alpträume, Flashbacks, Vermeidung von Trauma-assoziierten Reizen | Emotionale/Verhaltensprobleme nach belastendem Ereignis, aber keine PTBS-Kriterien | Atypische oder sonstige Reaktionen auf schwere Belastungen | Unklar / nicht näher bezeichnet |
| Nebensymptome • Angst, Unruhe, Konzentrationsstörungen • Schlafstörungen • Reizbarkeit, Nervosität • Körperliche Symptome wie Herzklopfen, Zittern, Schweißausbruch |
Starke körperliche Reaktionen, meist reversibel | Chronische Belastungssymptome, emotionale Taubheit, Reizbarkeit | Leichte bis mittelgradige psychische und körperliche Belastungssymptome | Variabel, je nach Form | Unklar |
| Dauer | Stunden bis Tage, meist selbstlimitierend | Wochen bis Jahre, oft chronisch | Wochen bis Monate, variabel | Variabel | Unbekannt |
| Ausschlusskriterien | Keine andere psychische Störung als Hauptursache | Wie F43.0, andere Störungen ausgeschlossen | Andere psychische Störungen ausgeschlossen | Andere Ursachen ausgeschlossen | Unklar |
Codierung der F43.- Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
F43.2 Anpassungsstörungen
F43.8 Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung
F43.0 Akute Belastungsreaktion
Diese Störung tritt als unmittelbare psychische Reaktion auf ein außergewöhnlich belastendes Ereignis auf. Sie entwickelt sich innerhalb von Minuten nach der Belastung, betrifft zuvor psychisch gesunde Personen und klingt in der Regel rasch wieder ab (Stunden bis maximal 2–3 Tage).
Betroffene zeigen ein wechselndes Bild von emotionalen, kognitiven und vegetativen Symptomen, die meist heftig und unvorhersehbar auftreten.
Diagnostische Merkmale:
- Beginn unmittelbar nach belastendem Ereignis (meist Minuten).
- Zunächst häufig Betäubung, Bewusstseinseinengung, Desorientiertheit, eingeschränkte Aufmerksamkeit.
- Weitere Verläufe:
- Sozialer Rückzug, bis hin zum dissoziativen Stupor.
- Unruhe / Überaktivität, wie Fluchtreaktionen oder Fugue-ähnliches Verhalten.
- Vegetative Symptome treten fast immer auf: Tachykardie, Schwitzen, Erröten, Angstreaktionen.
- Dauer: klingt typischerweise innerhalb von Stunden oder Tagen ab, spätestens nach 2–3 Tagen.
- Teilweise oder vollständige Amnesie für die Episode ist möglich.
Typische Erscheinungsbilder:
😶 Psychische Betäubung
- Gefühl der inneren Leere
- Verlust der emotionalen Reaktionsfähigkeit
🔄 Desorientierung & Verwirrtheit
- Schwierigkeiten, Reize zu verarbeiten
- Eingeschränkte Aufmerksamkeit
🏃 Unruhe oder Fluchtverhalten
- zielloses Herumlaufen
- impulsive Fluchtbewegungen
😔 Sozialer Rückzug
- Vermeidung von Kontakt
- Rückzug bis hin zur Reglosigkeit
💓 Vegetative Reaktionen
- Herzrasen
- starkes Schwitzen
- Erröten und Zittern
F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung
Diese Störung entsteht als verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes (z. B. Naturkatastrophe, Krieg, Folter, schwere Unfälle, Vergewaltigung).
Das Ereignis löst tiefe Verzweiflung bei fast jedem Menschen aus. Die Symptomatik entwickelt sich meist innerhalb von 6 Monaten nach dem Trauma, manchmal mit Latenz.
Diagnostische Merkmale:
- Trauma: außergewöhnlich bedrohlich oder katastrophenartig.
- Wiedererleben (Intrusionen):
- Flashbacks
- Albträume
- unkontrollierbare Erinnerungen an das Trauma
- Vermeidung:
- Umgehen von Gedanken, Gesprächen, Orten, Menschen oder Situationen, die an das Trauma erinnern.
- Teilweise oder vollständige Amnesie für die traumatische Situation möglich.
- Anhaltende Übererregung:
- Schlafstörungen
- Reizbarkeit oder Wutausbrüche
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Hypervigilanz
- übermäßige Schreckreaktionen
- Begleitend: depressive Verstimmung, Angst, Schuld- und Schamgefühle, emotionale Taubheit.
- Dauer: Symptome bestehen länger als einen Monat.
Typische Erscheinungsbilder:
😨 Intrusionen
- Plötzliches, belastendes Wiedererleben („Flashbacks“)
- Albträume mit Trauma-Inhalten
🚫 Vermeidung
- Situationen oder Gespräche, die Erinnerungen hervorrufen könnten, werden strikt gemieden
- emotionale Abstumpfung, Gefühl innerer Leere
🔥 Hyperarousal (Übererregung)
- ständige innere Alarmbereitschaft
- Schlaflosigkeit, Nervosität, erhöhte Schreckhaftigkeit
😔 Negative Veränderungen
- Schuldgefühle („Warum habe ich überlebt?“)
- depressive Symptome
- Verlust von Lebensfreude
F43.2 Anpassungsstörungen
Diese Störung tritt als Reaktion auf bedeutsame Lebensveränderungen oder belastende Lebensereignisse auf, die zu einer Beeinträchtigung der sozialen Funktion und Leistungsfähigkeit führen.
Sie entwickelt sich innerhalb von 1 Monat nach dem auslösenden Ereignis und klingt in der Regel nach höchstens 6 Monaten ab (außer bei andauernder depressiver Reaktion).
Diagnostische Merkmale:
- Auslöser: einschneidendes Ereignis oder Lebensveränderung (z. B. Trauerfall, Scheidung, Arbeitsplatzverlust, Migration, schwere Krankheit).
- Symptome:
- depressive Verstimmung, Hoffnungslosigkeit
- Angst, Besorgnis
- Gefühl, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein
- Schwierigkeiten bei Alltagsbewältigung und Planung
- Leistungsabfall, sozialer Rückzug
- Bei Jugendlichen: auch Störungen des Sozialverhaltens möglich.
- Beginn: innerhalb von 1 Monat nach dem belastenden Ereignis.
- Dauer: meist nicht länger als 6 Monate (außer „anhaltende depressive Reaktion“ F43.21).
Typische Erscheinungsbilder:
😔 Depressive Stimmung
- Traurigkeit, Weinen, Antriebslosigkeit
- Verlust von Freude und Interesse
😨 Ängste & Besorgnis
- Sorgen um Zukunft oder Gesundheit
- innere Unruhe, Nervosität
📉 Einschränkung der Alltagsbewältigung
- Gefühl, überfordert zu sein
- Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
🧑🤝🧑 Soziale Probleme
- Rückzug von Freunden und Familie
- bei Jugendlichen: oppositionelles Verhalten, Regelbrüche
F43.8 Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung
F43.9 Reaktion auf schwere Belastung, nicht näher bezeichnet
Diese Kategorie wird verwendet, wenn eine Reaktion auf schwere Belastung vorliegt, die eindeutig durch ein belastendes Ereignis verursacht wurde, aber die Informationen nicht ausreichen, um eine genauere Unterkategorie wie:
- F43.0 – Akute Belastungsreaktion
- F43.1 – Posttraumatische Belastungsstörung
- F43.2 – Anpassungsstörung
zu vergeben.
Weitere ICD-10-Diagnosen
ICD-10 Diagnosen
- F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
- F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
- F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
- F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen - F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen - F70-F79 Intelligenzstörung
- F80-F89 Entwicklungsstörungen
- F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
- F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
Quellen
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