F-Diagnosen ICD 10 → F00-F09 → F07.
F07.- Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
Die Diagnose F07.- umfasst Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns und beschreibt tiefgreifende Veränderungen im Erleben, Verhalten und in sozialen Interaktionen. Sie wird gestellt, wenn diese Veränderungen klar auf eine organische Ursache zurückzuführen sind.
Info zu der F07.-
Eine Veränderung der Persönlichkeit oder des Verhaltens kann Rest- oder Begleiterscheinung einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns sein.
Diagnosekriterien der F07.-
| Kriterien | F07.0 Organische Persönlichkeitsveränderung |
F07.1 Schädigung der Impulskontrolle |
F07.2 Organische emotionale Störung |
F07.8 Sonstige näher bezeichnete Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen |
F07.9 Persönlichkeits- und Verhaltensstörung, nicht näher bezeichnet |
|---|---|---|---|---|---|
| Definition | Veränderung der Persönlichkeit durch organische Hirnschädigung | Störung der Impulskontrolle, z. B. Aggression, sozial unangepasstes Verhalten | Emotionale Instabilität, Stimmungsschwankungen organisch bedingt | Sonstige organisch bedingte Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen | Persönlichkeits- und Verhaltensstörung, nicht näher bezeichnet |
| Beginn | Typischerweise nach Trauma, Schlaganfall oder anderen Hirnerkrankungen | Nach Hirnschädigung, oft schleichend | Variabel, abhängig von Ursache | Abhängig von Grunderkrankung | Nicht näher spezifiziert |
| Verlauf | Chronisch, teilweise stabil, teilweise progredient | Variabel, oft episodisch oder schubweise | Variabel, meist schleichend | Variabel | Nicht näher definiert |
| Klinische Hinweise | Veränderungen im Sozialverhalten, Motivation, Sozialkompetenz, Affektkontrolle | Impulsivität, Aggression, sozial unangemessenes Verhalten | Emotionale Labilität, Stimmungsschwankungen | Abweichende Verhaltensmuster, nicht anderweitig klassifiziert | Allgemeine Hinweise auf Persönlichkeits- und Verhaltensstörung |
| Diagnostik / Hinweise | Neuropsychologische Tests, Anamnese, Bildgebung | Neuropsychologische Tests, Beobachtung, ggf. bildgebende Verfahren | Neuropsychologische Tests, klinische Beurteilung | Abhängig von Grunderkrankung | Klinische Diagnose, unspezifisch |
| Ausschlusskriterien | Keine primären psychiatrischen Persönlichkeitsstörungen | Wie F07.0 | Wie F07.0 | Wie F07.0 | Nicht näher definiert |
Codierung der F07.-
F07.0 Organische Persönlichkeitsstörung
F07.1 Postenzephalitisches Syndrom
F07.2 Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
F07.8 Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F07.9 Nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung
F07.0 Organische Persönlichkeitsstörung
Die Diagnosekriterien der F07.0 Organische Persönlichkeitsstörung beschreiben anhaltende Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens, die auf eine bekannte organische Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns zurückzuführen sind. Die Störung entwickelt sich nach der Schädigung und unterscheidet sich deutlich von der prämorbiden Persönlichkeit.
🧠 Kernmerkmale
- Veränderungen von sozialen, emotionalen und verhaltensbezogenen Mustern
- Mögliche Symptome: Impulsivität, Aggressivität, Apathie, Sozialunangepasstheit, Stimmungslabilität oder mangelnde Kritikfähigkeit
- Verhaltensauffälligkeiten sind **neu aufgetreten** und standen nicht vor der Schädigung der Gehirnfunktion
- Ursachen: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Tumoren, Infektionen, neurodegenerative Erkrankungen oder andere organische Schädigungen des Gehirns
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn typischerweise nach akuter oder chronischer Schädigung des Gehirns
- Symptome können sich schrittweise entwickeln oder plötzlich auftreten
- Prägende Persönlichkeitsveränderungen sind meist stabil, können aber durch Rehabilitation oder Therapie teilweise gemildert werden
⏳ Verlauf & Dauer
- Persistierend, abhängig von Schwere und Lokalisation der Gehirnschädigung
- Langfristig stabil, jedoch kann Anpassung durch Therapie oder Rehabilitation erfolgen
❌ Ausschlusskriterien
- Prämorbide Persönlichkeitsstörungen ohne organische Ursache
- Verhaltensstörungen ausschließlich im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen ohne organische Ursache
- Substanzinduzierte Persönlichkeitsveränderungen (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schädel-Hirn-Trauma wird impulsiv, aggressiv und zeigt soziale Unangepasstheit
- Patient nach Schlaganfall wirkt apathisch, zeigt mangelnde Kritikfähigkeit und emotionale Labilität
- Therapeutische Maßnahmen, Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung können das Anpassungsverhalten verbessern
💡 Codierung und Besonderheiten
- F07.0 – Organische Persönlichkeitsstörung
- Abgrenzung zu prämorbiden Persönlichkeitsstörungen und anderen organischen psychischen Störungen (F06.-) erforderlich
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; psychotherapeutische Interventionen und Rehabilitation können unterstützend wirken
F07.1 Postenzephalitisches Syndrom
Die Diagnosekriterien der F07.1 Postenzephalitisches Syndrom beschreiben psychische, kognitive und körperliche Symptome, die als Folge einer Enzephalitis (Hirnentzündung) auftreten. Das Syndrom manifestiert sich häufig nach der akuten Erkrankung und kann dauerhafte Funktionsstörungen des Gehirns verursachen.
🧠 Kernmerkmale
- Psychische Symptome: emotionale Labilität, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Angst oder Persönlichkeitsveränderungen
- Kognitive Störungen: Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsdefizite, Konzentrationsschwierigkeiten, verlangsamtes Denken
- Körperliche Symptome: Müdigkeit, Erschöpfbarkeit, Kopfschmerzen, motorische Auffälligkeiten
- Entwicklungsaspekte: Symptome treten nach Abklingen der akuten Enzephalitis auf und stehen im direkten Zusammenhang mit der durch die Entzündung verursachten Hirnschädigung
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn meist subakut bis Wochen nach der akuten Enzephalitis
- Verlauf oft chronisch oder episodisch, abhängig von Schwere und Lokalisation der Hirnschädigung
- Patienten behalten teilweise Einsicht in ihre Symptome
⏳ Verlauf & Dauer
- Symptome können Wochen bis Monate andauern, in schweren Fällen persistierend sein
- Teilweise reversible Symptomatik bei Rehabilitation und Behandlung der Folgen der Enzephalitis
- Ohne angemessene Therapie kann die Funktionsstörung länger bestehen bleiben
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre psychische Störungen ohne organische Ursache
- Delir oder akute psychotische Zustände während der akuten Enzephalitis (→ F05.-)
- Substanzinduzierte psychische Störungen (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach viraler Enzephalitis zeigt Reizbarkeit, depressive Verstimmung und Gedächtnisdefizite
- Patient berichtet über schnelle Ermüdbarkeit, Konzentrationsprobleme und emotionale Labilität
- Symptome bessern sich teilweise durch neurologische Rehabilitation, Psychotherapie und supportive Maßnahmen
💡 Codierung und Besonderheiten
- F07.1 – Postenzephalitisches Syndrom
- Abgrenzung zu anderen organischen psychischen Störungen (F06.-) und Persönlichkeitsveränderungen (F07.0) erforderlich
- Therapie richtet sich nach den neuropsychologischen und körperlichen Folgen der Enzephalitis; Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung sind zentral
F07.2 Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
Die Diagnosekriterien der F07.2 Organisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma beschreiben psychische, kognitive und emotionale Symptome, die als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) auftreten. Die Symptome sind direkt auf die Hirnschädigung zurückzuführen und unterscheiden sich von primären psychiatrischen Störungen.
🧠 Kernmerkmale
- Psychische Symptome: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmung, Angst, Impulsivität oder emotionale Labilität
- Kognitive Symptome: Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, verlangsamtes Denken, Aufmerksamkeitsdefizite, Orientierungsprobleme
- Verhaltensauffälligkeiten: soziale Unangepasstheit, verminderte Kritikfähigkeit, Aggressivität oder Apathie
- Körperliche Begleitsymptome: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, motorische Beeinträchtigungen
- Ursache: Schädel-Hirn-Trauma jeder Schwere (leicht, mittelschwer, schwer) mit direkter Schädigung des Gehirns
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn meist akut bis subakut nach dem Trauma
- Verlauf variabel: episodisch, chronisch oder mit teilweiser Besserung durch Rehabilitation
- Patienten behalten häufig Einsicht in ihre Symptome, jedoch können Antrieb und Kritikfähigkeit eingeschränkt sein
⏳ Verlauf & Dauer
- Symptome können Wochen bis Monate anhalten; bei schwerem SHT teilweise persistierend
- Teilweise reversible Symptomatik durch neuropsychologische Rehabilitation und therapeutische Interventionen
- Ohne Therapie können emotionale und kognitive Defizite länger bestehen bleiben
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre psychiatrische Störungen ohne organische Ursache
- Delir während der akuten Phase des SHT (→ F05.-)
- Substanzinduzierte psychische Störungen (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Verkehrsunfall mit SHT zeigt Reizbarkeit, Gedächtnisdefizite und emotionale Labilität
- Patient berichtet über Impulsivität, verminderte Kritikfähigkeit und Konzentrationsstörungen
- Symptome bessern sich teilweise durch Rehabilitation, Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F07.2 – Organisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma
- Abgrenzung zu postenzephalitischen Syndromen (F07.1) und organischen Persönlichkeitsstörungen (F07.0) erforderlich
- Therapie richtet sich nach den kognitiven, emotionalen und körperlichen Folgen des SHT; neuropsychologische Rehabilitation ist zentral
F07.8 Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
Die Diagnosekriterien der F07.8 Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen beschreiben anhaltende Veränderungen von Persönlichkeit, Verhalten oder sozialen Fähigkeiten, die auf eine bekannte organische Erkrankung, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns zurückzuführen sind, sich aber nicht klar einer der spezifischen F07-Unterkategorien (F07.0–F07.2) zuordnen lassen.
🧠 Kernmerkmale
- Verhaltens- und Persönlichkeitsauffälligkeiten: emotionale Labilität, Impulsivität, Apathie, soziale Unangepasstheit oder Aggressivität
- Veränderungen treten nach der organischen Schädigung auf und unterscheiden sich von der prämorbiden Persönlichkeit
- Kognitive, emotionale oder soziale Beeinträchtigungen können zusätzlich bestehen
- Ursachen: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Tumoren, Infektionen, neurodegenerative Erkrankungen oder andere Funktionsstörungen des Gehirns
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn meist nach akuter oder chronischer Hirnschädigung
- Verlauf kann stabil, episodisch oder fluktuierend sein
- Schweregrad und Ausprägung variieren je nach Lokalisation und Ausmaß der Schädigung
⏳ Verlauf & Dauer
- Persistierend, abhängig von der Schwere der organischen Schädigung
- Teilweise reversibel durch Rehabilitation, psychotherapeutische Interventionen oder medizinische Behandlung der Grunderkrankung
- Ohne Therapie können Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen bestehen bleiben
❌ Ausschlusskriterien
- Prämorbide Persönlichkeitsstörungen ohne organische Ursache
- Verhaltensauffälligkeiten ausschließlich im Rahmen primärer psychischer Erkrankungen ohne organische Ursache
- Substanzinduzierte Störungen (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall zeigt impulsives, sozial unangepasstes Verhalten ohne vorherige Persönlichkeitsauffälligkeiten
- Patient mit Schädel-Hirn-Trauma entwickelt Apathie und emotionale Labilität, die nicht klar unter F07.0–F07.2 fallen
- Symptome bessern sich teilweise durch neuropsychologische Rehabilitation, Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F07.8 – Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
- Dient zur Klassifikation von organisch bedingten Störungen, die nicht spezifisch unter F07.0–F07.2 fallen
- Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung; unterstützende psychotherapeutische und rehabilitative Maßnahmen sind zentral
F07.9 Nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
Die Diagnosekriterien der F07.9 Nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung beschreiben psychische Auffälligkeiten in Persönlichkeit und Verhalten, die auf eine bekannte organische Erkrankung, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns zurückzuführen sind, sich aber nicht eindeutig einer spezifischen F07-Unterkategorie (F07.0–F07.8) zuordnen lassen. Diese Kategorie wird verwendet, wenn die Symptome klar organisch bedingt sind, aber zu unspezifisch oder heterogen, um eine genauere Diagnose zu stellen.
Weitere ICD-10-Diagnosen
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ICD-10 Diagnosen
- F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
- F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
- F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
- F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen - F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen - F70-F79 Intelligenzstörung
- F80-F89 Entwicklungsstörungen
- F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
- F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
Quellen
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