F-Diagnosen ICD 10 → F00-F09 → F06.
F06.- Andere psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit
Info zu der F06.-
Diagnosekriterien der F06.-
| Kriterien | F06.0 Organische Halluzinose / akute organische Störung |
F06.1 Organische katatone Störung / psychische Störung bei Gehirnverletzung |
F06.2 Organische wahnhafte Störung / psychische Störung bei zerebrovaskulärer Erkrankung |
F06.3 Organische affektive Störung / psychische Störung bei anderenorts klassifizierten Krankheiten |
F06.4 Organische Angststörung |
F06.5 Organische dissoziative Störung |
F06.6 Organische emotional labile Störung |
F06.7 Leichte kognitive Störung |
F06.8 Sonstige organische psychische Störungen |
F06.9 Nicht näher bezeichnete organische psychische Störung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Definition | Halluzinationen, meist visuell oder akustisch, ohne primäre psychiatrische Erkrankung | Katatone Symptome (Stupor, Rigidität), organisch bedingt | Wahnvorstellungen, oft bei zerebrovaskulären Erkrankungen | Affektive Störungen (Depression, Manie) durch organische Ursache | Angstzustände mit organischer Genese | Dissoziative Symptome organisch bedingt | Emotionale Labilität, Stimmungsschwankungen, impulsives Verhalten | Leichte kognitive Einschränkungen organisch bedingt | Sonstige organische psychische Störungen, spezifisch bezeichnet | Organische psychische Störung, nicht näher bezeichnet |
| Beginn | Plötzlich oder schleichend mit akuter Erkrankung | Nach Gehirnverletzung, variabel | Schleichend oder akut nach vaskulärem Ereignis | Abhängig von zugrunde liegender Erkrankung | Variabel, meist schleichend | Variabel | Variabel | Meist schleichend | Abhängig von Grunderkrankung | Nicht näher spezifiziert |
| Verlauf | Akut, oft reversibel | Variabel, oft chronisch oder phasenweise | Fortschreitend oder schubweise | Abhängig vom Krankheitsverlauf | Variabel | Variabel | Variabel | Leicht fortschreitend | Variabel | Nicht näher definiert |
| Klinische Hinweise | Halluzinationen, Orientierungsschwierigkeiten, Aufmerksamkeitseinbußen | Katatone Symptome, motorische Auffälligkeiten | Wahn, ggf. kognitive Defizite | Affektive Symptome, Stimmungsschwankungen | Angst, Panik, vegetative Symptome | Dissoziative Zustände, Gedächtnislücken | Emotionale Labilität, Reizbarkeit | Leichte Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen | Abweichende Symptome, nicht in andere Kategorien passend | Allgemeine organische psychische Symptome |
| Diagnostik / Hinweise | Klinische Untersuchung, Labordiagnostik, Bildgebung | Neuropsychologische Tests, Bildgebung | Neurologische Untersuchung, MRT/CT | Abhängig von Grunderkrankung | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Neurokognitive Tests | Abhängig von Grunderkrankung | Klinische Diagnose, unspezifisch |
| Ausschlusskriterien | Keine primären psychiatrischen Erkrankungen | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Wie F06.0 | Nicht näher definiert |
Codierung der F06.-
F06.2 Organische wahnhafte Störung
F06.6 Organische emotional labile Störung
F06.0 Organische Halluzinose
Die Diagnosekriterien der F06.0 Organische Halluzinose beschreiben eine psychotische Störung, die durch eine bekannte organische Grunderkrankung verursacht wird. Charakteristisch sind anhaltende Halluzinationen, vor allem akustischer oder visueller Art, bei gleichzeitig weitgehend erhaltener Realitätserkennung, ohne dass eine andere primäre psychotische Erkrankung (z. B. Schizophrenie) vorliegt.
🧠 Kernmerkmale
- Persistierende Halluzinationen, meist akustisch (z. B. Stimmenhören) oder visuell
- Realitätsprüfung größtenteils erhalten: Patient erkennt die Halluzinationen als ungewöhnlich oder fremd, ist jedoch zeitweise irritiert
- Keine tiefgreifenden Wahnvorstellungen oder systematisierte Wahnsymptome
- Begleitend können leichte kognitive Einschränkungen oder affektive Veränderungen auftreten
- Ursache: Organische Erkrankungen wie z. B. Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Demenz, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder andere neurologische Erkrankungen
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Symptome treten meist **plötzlich oder schleichend** im Rahmen einer organischen Erkrankung auf
- Verlauf kann episodisch oder persistierend sein, abhängig von Ursache und Therapie
- Patienten behalten oft die Einsicht, dass Wahrnehmungsveränderungen abnormal sind
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis chronisch, abhängig von der Grunderkrankung
- Reversibel oder teilreversibel bei Behandlung der organischen Ursache
- Ohne Behandlung kann Persistenz oder Verschlechterung der Halluzinationen auftreten
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre psychotische Störungen ohne organische Ursache (z. B. Schizophrenie)
- Halluzinationen im Rahmen einer akuten Delir-Erkrankung (→ F05.-)
- Halluzinationen ausschließlich durch Substanzgebrauch (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall entwickelt plötzlich Stimmenhören, erkennt diese aber als fremd und irritierend
- Patient mit fortgeschrittener Demenz erlebt visuelle Halluzinationen von Menschen oder Tieren, bleibt dabei orientiert
- Halluzinationen bessern sich teilweise nach Behandlung der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.0 – Organische Halluzinose
- Abgrenzung zu Delir (F05.-), organischer Psychose bei Demenz oder Substanz-induzierter Psychose erforderlich
- Wichtige Differenzialdiagnosen: Schizophrenie, Wahnsymptome bei Demenz, akute organische Psychosen
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; psychopharmakologische Behandlung kann unterstützend sein
F06.1 Organische katatone Störung
Die Diagnosekriterien der F06.1 Organische katatone Störung beschreiben eine psychomotorische Störung, die im Zusammenhang mit einer bekannten organischen Grunderkrankung auftritt. Charakteristisch sind auffällige motorische, sprachliche und Verhaltenselemente, die typische katatone Symptome darstellen, ohne dass eine primäre Schizophrenie oder andere psychotische Erkrankung vorliegt.
🧠 Kernmerkmale
- Motorische Auffälligkeiten: Stupor, Haltungsstereotypien, Mutismus, Erregung oder extreme Bewegungsarmut
- Sprachliche Auffälligkeiten: Echolalie (Nachsprechen), Echopraxie (Nachahmen von Bewegungen), Negativismus
- Störungen der Zielgerichtetheit und Flexibilität der Bewegungen
- Begleitende Symptome können affektive Veränderungen, Verwirrtheit oder leichte Halluzinationen sein
- Ursache: Organische Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder andere neurologische Erkrankungen
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn kann akut oder schleichend sein, abhängig von der Grunderkrankung
- Symptome schwanken oft im Verlauf und können episodisch auftreten
- Patienten behalten in der Regel Einsicht in ihre Situation, wenn kognitiv intakt
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis subakut, teilweise chronisch
- Kann reversibel sein, wenn die organische Ursache behandelt wird
- Ohne Behandlung kann Persistenz oder Verschlechterung der Symptome auftreten
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre katatone Schizophrenie oder andere primäre psychotische Erkrankungen
- Katatone Symptome im Rahmen eines Delirs (→ F05.-) ohne spezifische organische Ursache
- Substanzinduzierte katatone Zustände (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall zeigt plötzliche Bewegungsarmut, Mutismus und Haltungsstereotypien
- Patient mit metabolischer Enzephalopathie entwickelt akute Erregung und Echopraxie
- Symptome bessern sich teilweise nach Behandlung der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.1 – Organische katatone Störung
- Abgrenzung zu primärer katatoner Schizophrenie und Delir-Syndromen erforderlich
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; symptomatische Behandlung (z. B. Benzodiazepine) kann unterstützend sein
F06.2 Organische wahnhafte [schizophreniforme] Störung
Die Diagnosekriterien der F06.2 Organische wahnhafte [schizophreniforme] Störung beschreiben eine psychotische Störung mit vorherrschenden Wahnideen, die auf eine bekannte organische Grunderkrankung zurückzuführen ist. Die Störung ähnelt in ihrem Erscheinungsbild schizophrenen oder wahnhafter Psychosen, tritt jedoch sekundär zu einer organischen Ursache auf.
🧠 Kernmerkmale
- Dominierende Wahnideen: z. B. Verfolgungswahn, Beziehungswahn, Schuld- oder Größenideen
- Wahn ist inhaltlich systematisiert oder weniger kohärent („schizophreniform“)
- Realitätsprüfung meist eingeschränkt, aber Insight kann teilweise erhalten sein
- Begleitende Symptome: leichte Halluzinationen, Affektveränderungen, Antriebsstörungen
- Ursachen: Organische Erkrankungen des Gehirns wie Schlaganfall, Tumoren, neurodegenerative Erkrankungen, Schädel-Hirn-Trauma, Infektionen, metabolische Störungen
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Plötzlicher oder schleichender Beginn abhängig von der Grunderkrankung
- Verlauf oft episodisch oder persistierend
- Patienten behalten teilweise Einsicht, wenn kognitiv intakt
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis chronisch, abhängig von Ursache und Therapie
- Teilweise reversible Symptomatik bei Behandlung der Grunderkrankung
- Ohne Behandlung kann der Wahn bestehen bleiben oder sich verschlechtern
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre schizophrene Psychose ohne organische Ursache
- Wahn bei Delir (→ F05.-) oder durch Substanzen (→ F10–F19)
- Wahn ausschließlich im Rahmen einer Demenz (→ F02.-) ohne zusätzliche organische Ursache
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall entwickelt plötzlich Verfolgungswahn, teilweise begleitet von Halluzinationen
- Patient mit Schädel-Hirn-Trauma zeigt systematisierte Wahnideen über Kontrolle durch Außenstehende
- Symptome bessern sich teilweise nach Behandlung der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.2 – Organische wahnhafte [schizophreniforme] Störung
- Abgrenzung zu primären schizophrenen Störungen und F06.0–F06.1 wichtig
- Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung; antipsychotische Behandlung kann unterstützend eingesetzt werden
F06.3 Organische affektive Störungen
Die Diagnosekriterien der F06.3 Organische affektive Störungen beschreiben Störungen der Stimmung und Affektivität, die im Zusammenhang mit einer bekannten organischen Erkrankung des Gehirns auftreten. Die Störungen können depressiv, manisch oder gemischt verlaufen und stehen im direkten kausalen Zusammenhang mit der Grunderkrankung.
🧠 Kernmerkmale
- Affektive Veränderungen: depressive Stimmung, Antriebsminderung, Freudlosigkeit, Interessenverlust oder manische Symptome wie gesteigerte Energie, übermäßiges Rededrang, Euphorie
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, Appetit oder Selbstwertgefühl
- Kognitive Begleitsymptome: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen möglich
- Ursache: Organische Erkrankungen des Gehirns, z. B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Tumoren, Infektionen, neurodegenerative Erkrankungen, Stoffwechselstörungen
- Symptome stehen in zeitlichem Zusammenhang mit der Grunderkrankung
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn meist akut oder subakut, abhängig von der Grunderkrankung
- Verlauf kann episodisch oder kontinuierlich sein
- Schweregrad variiert je nach Organbefund und neurologischer Belastung
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis chronisch, häufig fluktuierend
- Teilweise reversibel bei Behandlung der organischen Ursache
- Kann persistieren, wenn Grunderkrankung fortbesteht oder irreversibel ist
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre affektive Störungen ohne organische Ursache (z. B. Major Depression, manische Episode)
- Affektive Störungen ausschließlich durch Substanzgebrauch (→ F10–F19)
- Delir-Syndrome (→ F05.-) mit affektiven Symptomen ohne primäre organische Ursache
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall entwickelt depressive Stimmung mit Antriebslosigkeit und Schlafstörungen
- Patient mit Schädel-Hirn-Trauma zeigt manische Symptome wie Euphorie und gesteigerten Rededrang
- Affektive Symptome bessern sich teilweise nach Behandlung der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.3 – Organische affektive Störungen
- Abgrenzung zu primären affektiven Störungen und anderen F06-Kategorien erforderlich
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; psychopharmakologische Behandlung kann unterstützend sein
F06.4 Organische Angststörung
Die Diagnosekriterien der F06.4 Organische Angststörung beschreiben Angststörungen, die auf eine bekannte organische Erkrankung des Gehirns zurückzuführen sind. Die Angst ist nicht primär psychogen, sondern entsteht direkt im Zusammenhang mit der organischen Grunderkrankung.
🧠 Kernmerkmale
- Übermäßige Angst oder Sorge, die in Intensität oder Häufigkeit über normale Reaktionen hinausgeht
- Physiologische Begleitsymptome: Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Magen-Darm-Beschwerden
- Kognitive Symptome: Sorgen, Grübeln, Anspannung, Angst vor Kontrollverlust
- Ursachen: Organische Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, neurodegenerative Erkrankungen, Infektionen oder Stoffwechselstörungen
- Angstsymptome treten im zeitlichen Zusammenhang mit der organischen Erkrankung auf
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn akut oder schleichend, abhängig von der Grunderkrankung
- Verlauf kann episodisch oder kontinuierlich sein
- Schweregrad variiert je nach Art und Ausmaß der organischen Störung
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis chronisch, oft fluktuierend
- Teilweise reversibel bei Behandlung der organischen Ursache
- Persistenz möglich, wenn die Grunderkrankung fortbesteht oder irreversibel ist
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre Angststörungen ohne organische Ursache (z. B. F41.- generalisierte Angststörung, soziale Phobie)
- Angstsymptome ausschließlich durch Substanzgebrauch (→ F10–F19)
- Delir-Syndrome (→ F05.-) mit vorübergehender Angst, ohne direkte organische Ursache
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall entwickelt ausgeprägte Angstzustände und körperliche Symptome wie Herzrasen und Zittern
- Patient mit Schädel-Hirn-Trauma zeigt anhaltende Angst, Grübeln und erhöhte Anspannung
- Angstsymptome bessern sich teilweise nach Behandlung der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.4 – Organische Angststörung
- Abgrenzung zu primären Angststörungen (F40–F41) und anderen organischen psychischen Störungen erforderlich
- Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung; psychopharmakologische Behandlung kann unterstützend sein
F06.5 Organische dissoziative Störung
Die Diagnosekriterien der F06.5 Organische dissoziative Störung beschreiben psychische Störungen mit Verlust oder Störung der normalen Integration von Bewusstsein, Gedächtnis, Identität oder Wahrnehmung, die auf eine bekannte organische Grunderkrankung des Gehirns zurückzuführen sind. Die Symptome stehen in direktem Zusammenhang mit der organischen Ursache und sind nicht primär psychogen.
🧠 Kernmerkmale
- Störungen der Integration von Bewusstsein, Gedächtnis oder Identität
- Amnesien für persönliche Informationen oder kürzlich Geschehenes (nicht durch Amnesie bei Demenz erklärt)
- Depersonalisation oder Derealisation möglich
- Ursachen: Organische Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder neurodegenerative Erkrankungen
- Symptome treten im zeitlichen Zusammenhang mit der organischen Erkrankung auf
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn meist akut oder subakut, abhängig von der Grunderkrankung
- Verlauf kann episodisch oder kontinuierlich sein
- Schweregrad variiert je nach Art und Ausmaß der organischen Störung
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis chronisch
- Teilweise reversibel bei Behandlung der Grunderkrankung
- Persistenz möglich, wenn die organische Ursache fortbesteht oder irreversibel ist
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre dissoziative Störungen ohne organische Ursache (z. B. F44.-)
- Delir-Syndrome (→ F05.-) mit vorübergehender Bewusstseinsstörung ohne direkte organische Ursache
- Substanzinduzierte dissoziative Zustände (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schädel-Hirn-Trauma zeigt Amnesien für kürzlich Geschehenes und vorübergehende Identitätsverwirrung
- Patient mit Enzephalitis entwickelt Depersonalisation und Desorientierung
- Symptome bessern sich teilweise nach Behandlung der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.5 – Organische dissoziative Störung
- Abgrenzung zu primären dissoziativen Störungen (F44.-) und Delir (F05.-) erforderlich
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; psychotherapeutische Maßnahmen können unterstützend sein
F06.6 Organische emotional labile [asthenische] Störung
Die Diagnosekriterien der F06.6 Organische emotional labile [asthenische] Störung beschreiben Störungen der Affektkontrolle, die im Zusammenhang mit einer bekannten organischen Erkrankung des Gehirns auftreten. Typisch sind verstärkte Reizbarkeit, emotionale Labilität und verminderte Belastbarkeit, die nicht primär psychogen bedingt sind.
🧠 Kernmerkmale
- Emotionale Labilität: schnelle Stimmungswechsel, unangemessene Reaktionen auf kleine Reize
- Asthenische Symptome: Müdigkeit, Antriebsarmut, Erschöpfbarkeit, Konzentrationsprobleme
- Leichte depressive oder ängstliche Verstimmungen möglich
- Ursachen: Organische Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder neurodegenerative Erkrankungen
- Symptome treten im zeitlichen Zusammenhang mit der organischen Erkrankung auf
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn meist akut oder subakut, abhängig von der Grunderkrankung
- Verlauf kann episodisch oder kontinuierlich sein
- Schweregrad hängt von Ausmaß und Lokalisation der organischen Störung ab
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis chronisch, oft fluktuierend
- Teilweise reversibel bei Behandlung der Grunderkrankung
- Persistenz möglich, wenn die Grunderkrankung irreversibel ist
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre affektive oder asthenische Störungen ohne organische Ursache (z. B. F32.–F34.)
- Delir-Syndrome (→ F05.-) mit vorübergehender emotionaler Labilität ohne direkte organische Ursache
- Substanzinduzierte affektive Störungen (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall zeigt plötzlich schnelle Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Erschöpfbarkeit
- Patient mit Schädel-Hirn-Trauma berichtet von erhöhter Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und emotionaler Überempfindlichkeit
- Symptome bessern sich teilweise nach Behandlung oder Rehabilitation der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.6 – Organische emotional labile [asthenische] Störung
- Abgrenzung zu primären affektiven Störungen und F06.3 erforderlich
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; unterstützende psychotherapeutische und neuropsychologische Maßnahmen können sinnvoll sein
F06.7 Leichte kognitive Störung
Die Diagnosekriterien der F06.7 Leichte kognitive Störung beschreiben kognitive Beeinträchtigungen, die im Zusammenhang mit einer bekannten organischen Erkrankung des Gehirns auftreten, jedoch nicht schwer genug sind, um eine Demenz zu diagnostizieren. Typisch sind leichte Einschränkungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder exekutiven Funktionen, während Alltagsbewältigung weitgehend erhalten bleibt.
🧠 Kernmerkmale
- Leichte Defizite in Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration oder exekutiven Funktionen
- Alltagsfähigkeiten bleiben weitgehend erhalten, keine signifikante Beeinträchtigung der Selbstversorgung
- Milde Verlangsamung geistiger Prozesse oder verminderte geistige Belastbarkeit möglich
- Ursachen: Organische Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Infektionen, Stoffwechselstörungen oder neurodegenerative Erkrankungen
- Symptome treten im zeitlichen Zusammenhang mit der organischen Erkrankung auf
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn kann akut oder schleichend sein, abhängig von der Grunderkrankung
- Verlauf oft stabil oder langsam progredient
- Patienten behalten Einblick in ihre kognitiven Einschränkungen
⏳ Verlauf & Dauer
- Kurzfristig bis chronisch, abhängig von der Grunderkrankung
- Teilweise reversibel bei Behandlung der organischen Ursache
- Ohne Behandlung oder bei progredienter Grunderkrankung kann Verschlechterung eintreten
❌ Ausschlusskriterien
- Demenz (F00.–F03.-) – Kriterien für schwere kognitive Beeinträchtigung nicht erfüllt
- Primäre psychiatrische Störungen mit kognitiver Symptomatik ohne organische Ursache
- Substanzinduzierte kognitive Störungen (→ F10–F19)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient nach Schlaganfall zeigt leichte Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, kann Alltag selbstständig bewältigen
- Patient mit Schädel-Hirn-Trauma berichtet über verlangsamtes Denken und Konzentrationsprobleme
- Teilweise Besserung der kognitiven Leistung nach Rehabilitation oder Behandlung der organischen Ursache
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.7 – Leichte kognitive Störung
- Abgrenzung zu Demenz (F00.–F03.-) und F06.8 erforderlich
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; unterstützende neuropsychologische Maßnahmen können sinnvoll sein
F06.8 Sonstige näher bezeichnete organische psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit
🧠 Kernmerkmale
- Psychische Symptome, die direkt mit einer organischen Grunderkrankung zusammenhängen
- Symptomatik kann unterschiedlich sein: Halluzinationen, Wahnideen, Affektstörungen, Angst, kognitive Beeinträchtigungen, Katatonie oder andere psychische Auffälligkeiten
- Verhalten, Stimmung oder Kognition ist auffällig, aber nicht klassifizierbar unter F06.0–F06.7
- Ursachen: Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns, Infektionen, Stoffwechselstörungen, Tumoren, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder andere körperliche Erkrankungen
- Symptome treten im zeitlichen Zusammenhang mit der organischen Grunderkrankung auf
📈 Entwicklungs- und Verlaufsaspekte
- Beginn kann akut oder schleichend sein, abhängig von der Grunderkrankung
- Verlauf kann episodisch, kontinuierlich oder fluktuierend sein
- Schweregrad variiert stark je nach Art und Ausmaß der organischen Störung
⏳ Verlauf & Dauer
- Akut bis chronisch, oft fluktuierend
- Teilweise reversibel bei Behandlung der Grunderkrankung
- Persistenz möglich, wenn die Grunderkrankung fortbesteht oder irreversibel ist
❌ Ausschlusskriterien
- Primäre psychische Störungen ohne organische Ursache (z. B. F20.–F48.)
- Substanzinduzierte psychische Störungen (→ F10–F19)
- Delir-Syndrome ohne organische Ursache (→ F05.-)
👩⚕️ Typische Erscheinungsbilder / Beispiele
- Patient mit Schädel-Hirn-Trauma zeigt ungewöhnliche psychische Symptome, die sich nicht klar einer Unterkategorie zuordnen lassen
- Patient mit schwerer Infektion oder metabolischer Störung entwickelt Mischsymptomatik aus Halluzinationen, Angst und kognitiven Einschränkungen
- Symptome bessern sich teilweise nach Behandlung der zugrunde liegenden organischen Erkrankung
💡 Codierung und Besonderheiten
- F06.8 – Sonstige näher bezeichnete organische psychische Störungen
- Abgrenzung zu F06.0–F06.7 und primären psychischen Störungen erforderlich
- Therapie richtet sich primär nach der Grunderkrankung; unterstützende psychopharmakologische oder psychotherapeutische Maßnahmen können sinnvoll sein
F06.9 Nicht näher bezeichnete organische psychische Störung aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit
Weitere ICD-10-Diagnosen
ICD-10 Diagnosen
- F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
- F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
- F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
- F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen - F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen - F70-F79 Intelligenzstörung
- F80-F89 Entwicklungsstörungen
- F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
- F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
Quellen
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