F-Diagnosen ICD 10F60-F69 → F63. Abnorme Gewohnheiten & Störungen der Impulskontrolle

F63.- Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

Die Diagnose F63.- steht für abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle und umfasst wiederkehrende, zwanghafte oder impulsive Verhaltensweisen, die das Leben der Betroffenen beeinträchtigen. Sie dient der Klassifikation solcher Störungen und unterstützt gezielte therapeutische Interventionen.

Info zu der F63.- Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

In dieser Kategorie sind verschiedene nicht an anderer Stelle klassifizierbare Verhaltensstörungen zusammengefasst. Sie sind durch wiederholte Handlungen ohne vernünftige Motivation gekennzeichnet, die nicht kontrolliert werden können und die meist die Interessen des betroffenen Patienten oder anderer Menschen schädigen. Der betroffene Patient berichtet von impulshaftem Verhalten. Die Ursachen dieser Störungen sind unklar, sie sind wegen deskriptiver Ähnlichkeiten hier gemeinsam aufgeführt, nicht weil sie andere wichtige Merkmale teilen.

Diagnosekriterien F63.- Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

ICD-10 Code / Störung Typische Symptome
F63.0 – Pathologisches Spielen Unkontrollierbares Glücksspiel trotz negativer Konsequenzen, starker Drang zu spielen, Spannungs- oder Erregungsgefühle vor dem Spielen, Schwierigkeiten aufzuhören.
F63.1 – Pathologische Brandstiftung [Pyromanie] Wiederholtes absichtliches Legen von Bränden, Spannung oder Anspannung vor der Handlung, Freude oder Erleichterung während/ nach der Brandstiftung, kein anderer klarer Grund (z. B. Rache, Profit).
F63.2 – Pathologisches Stehlen [Kleptomanie] Wiederholtes Stehlen, Spannung vor der Tat, Freude oder Erleichterung beim Stehlen, Handlungen nicht aus ökonomischem Interesse oder Rache motiviert.
F63.3 – Trichotillomanie Wiederholtes Herausziehen von Haaren, Spannung oder Drang vor der Handlung, Befriedigung oder Erleichterung nach dem Haarziehen, klinisch relevant (Haarverlust, soziale oder psychische Beeinträchtigung).

Codierung der F63.- Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

F63.0 Pathologisches Spielen

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F63.1 Pathologische Brandstiftung [Pyromanie]

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F63.2 Pathologisches Stehlen [Kleptomanie]

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F63.3 Trichotillomanie

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F63.8 Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

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F63.9 Abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle, nicht näher bezeichnet

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F63.0 Pathologisches Spielen

Das pathologische Spielen (F63.0), auch als Spielsucht oder zwanghaftes Spielen bezeichnet, ist eine Störung der Impulskontrolle. Betroffene sind unfähig, dem Drang zum Glücksspiel – wie etwa Geldautomaten-, Karten-, Wett- oder Online-Spielen – zu widerstehen, selbst wenn dies schwerwiegende negative Konsequenzen nach sich zieht. Das Verhalten nimmt einen suchtähnlichen Charakter an, wobei nicht der Gewinn, sondern der Akt des Spielens selbst im Vordergrund steht.

Die Störung führt zu erheblichen sozialen, finanziellen und beruflichen Beeinträchtigungen. Charakteristisch ist der Kontrollverlust, das zunehmende Einnehmen von Zeit und Aufmerksamkeit durch das Spielen sowie das Fortsetzen des Verhaltens trotz massiver Probleme.

 

Diagnosekriterien der F63.0 Pathologisches Spielen

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🎰 Anhaltendes und wiederholtes Glücksspielverhalten

  • wiederkehrendes Spielen über Monate oder Jahre
  • Häufigkeit und Dauer nehmen zu, Kontrollverlust über Beginn, Ende und Intensität

💸 Negative Konsequenzen

  • soziale, finanzielle oder berufliche Probleme
  • Trotz Verschuldung oder Konflikten wird weitergespielt

🔄 Zwanghafter Charakter

  • Unfähigkeit, das Spielen dauerhaft einzustellen
  • Spielgedanken und -drang dominieren den Alltag

⚡ Ausschluss anderer Ursachen

  • das Verhalten ist nicht Folge einer manischen Episode oder organischen Störung

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Spieler verbringt Nächte an Geldspielautomaten trotz Verschuldung
  • Verheimlichen des Spielens gegenüber Partner oder Familie
  • Verkauf von Eigentum oder Aufnahme von Krediten zur Finanzierung der Spielsucht
  • Gefühl von Spannung vor dem Spielen und Erleichterung währenddessen

 

Codierung und Besonderheiten

  • F63.0 ist eine Störung der Impulskontrolle (F63.-).
  • Die Störung wird zunehmend als **Verhaltenssucht** betrachtet.
  • Abgrenzung zu manischen Episoden oder exzessivem Spielen ohne Kontrollverlust ist wichtig.
  • Therapieansätze: verhaltenstherapeutische Programme, Selbsthilfegruppen, ggf. medikamentöse Unterstützung.

F63.1 Pathologische Brandstiftung [Pyromanie]

Die Pyromanie (F63.1), auch pathologische Brandstiftung genannt, ist eine seltene Störung der Impulskontrolle. Betroffene verspüren einen wiederkehrenden, schwer kontrollierbaren Drang, Feuer zu legen. Das Verhalten geschieht nicht aus finanziellen, politischen, kriminellen oder rachsüchtigen Motiven, sondern aus einem inneren Spannungszustand und der Suche nach Erleichterung oder Befriedigung durch das Auslösen und Beobachten von Bränden.

Die Faszination für Feuer und alles, was damit zusammenhängt (Feuerzeuge, Brandmeldungen, Feuerwehr), ist oft stark ausgeprägt. Das Verhalten führt zu erheblichen Gefahren für Betroffene und ihre Umgebung.

 

Diagnosekriterien der F63.1 Pyromanie

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

🔥 Wiederholte Brandstiftung

  • Mehrfaches absichtliches Legen von Bränden
  • keine äußeren Motive wie Gewinn, politische Absicht oder Vertuschung

⚡ Spannungszustand vor der Tat

  • innere Unruhe, steigende Erregung oder Spannung vor dem Feuerlegen

😌 Erleichterung oder Befriedigung

  • Gefühl von Lust, Vergnügen oder Erleichterung beim Legen oder Beobachten von Bränden

👀 Faszination für Feuer

  • anhaltende Beschäftigung mit Feuer, Feuerwehreinsätzen oder allem, was mit Flammen verbunden ist

❌ Ausschluss anderer Ursachen

  • nicht erklärbar durch Schizophrenie, Intelligenzminderung, antisoziale Störung oder Intoxikation

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Jugendlicher legt ohne äußeren Grund immer wieder kleinere Feuer
  • Betroffener beobachtet Brände mit starker Faszination und mischt sich ggf. unter Schaulustige
  • Erhebliche Gefährdung für Menschen, Tiere und Eigentum, oft mit strafrechtlichen Konsequenzen

 

Codierung und Besonderheiten

  • F63.1 ist eine **Störung der Impulskontrolle** innerhalb der Kategorie F63.-.
  • Abgrenzung wichtig: normale Brandstiftung mit Motiven wie Rache oder Gewinnabsicht fällt nicht unter Pyromanie.
  • Verlauf oft chronisch, Beginn häufig in Jugend oder jungem Erwachsenenalter.
  • Therapie: psychotherapeutisch (Impulskontrolltraining, kognitive Verhaltenstherapie), ggf. kombiniert mit medikamentöser Behandlung.

F63.2 Pathologisches Stehlen [Kleptomanie]

Die Kleptomanie (F63.2), auch pathologisches Stehlen genannt, ist eine Störung der Impulskontrolle, bei der Betroffene wiederholt und unkontrolliert Gegenstände entwenden, die sie weder für den persönlichen Gebrauch noch aus finanziellen Gründen benötigen. Der Diebstahl erfolgt nicht geplant, sondern impulsiv und geht mit einem starken inneren Spannungszustand sowie einer deutlichen Erleichterung oder Lustbefriedigung nach der Tat einher.

Im Gegensatz zu gewöhnlichem Diebstahl steht nicht der materielle Wert im Vordergrund, sondern die Handlung selbst. Viele Betroffene empfinden nach der Tat Schuld- oder Schamgefühle, was die Problematik zusätzlich verstärken kann.

 

Diagnosekriterien der F63.2 Kleptomanie

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

👜 Wiederholtes Stehlen ohne äußeren Nutzen

  • Entwendung von Gegenständen, die nicht gebraucht werden
  • kein finanzielles Motiv, keine Rache oder ideologische Absicht

⚡ Innerer Spannungszustand

  • starkes Gefühl von Anspannung oder innerem Druck vor der Tat

😌 Erleichterung oder Lustgefühl

  • Gefühl von Befriedigung, Vergnügen oder Erleichterung während oder nach dem Stehlen

❌ Ausschluss anderer Ursachen

  • nicht erklärbar durch Schizophrenie, Intelligenzminderung, substanzbedingte Störungen oder rein kriminelles Verhalten

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Person stiehlt regelmäßig kleine, wertlose Dinge (z. B. Kugelschreiber, Kosmetikartikel)
  • Betroffene berichten von „Drang“ oder „Sog“, etwas mitzunehmen, obwohl es nicht gebraucht wird
  • Gefühle von Scham und Schuld nach der Tat, oft begleitet von Angst vor Entdeckung

 

Codierung und Besonderheiten

  • F63.2 gehört zu den **Störungen der Impulskontrolle** (F63.-).
  • Abzugrenzen von geplantem oder gewinnorientiertem Diebstahl.
  • Beginn meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter.
  • Komorbidität häufig mit affektiven Störungen, Zwangsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen.
  • Therapie: kognitive Verhaltenstherapie, Impulskontrolltraining, ggf. Pharmakotherapie (z. B. SSRI, Stimmungsstabilisatoren).

F63.3 Trichotillomanie

Die Trichotillomanie (F63.3), auch bekannt als pathologisches Haareausreißen, ist eine Störung der Impulskontrolle, bei der Betroffene wiederholt und unwillkürlich eigene Haare ausreißen. Dies kann zu sichtbaren Haarverlusten an Kopfhaut, Augenbrauen, Wimpern oder anderen Körperstellen führen.

Der Vorgang ist oft mit einem Gefühl von innerer Anspannung vor dem Ausreißen verbunden und geht nach der Handlung mit Erleichterung, Lust oder Befriedigung einher. Viele Betroffene empfinden jedoch im Nachhinein Scham, Schuldgefühle oder versuchen, die entstandenen kahlen Stellen zu verbergen.

 

Diagnosekriterien der F63.3 Trichotillomanie

Die Kriterien zur Diagnose beinhalten:

 

✂️ Wiederholtes Haareausreißen

  • wiederkehrendes, impulsives Ausreißen eigener Haare
  • führt zu sichtbaren Haarverlusten

⚡ Innerer Spannungszustand

  • zunehmendes Spannungsgefühl oder innerer Drang vor dem Ausreißen

😌 Erleichterung oder Lustgefühl

  • Gefühl von Befriedigung, Lust oder Entspannung beim oder nach dem Haareausreißen

❌ Ausschluss anderer Ursachen

  • nicht erklärbar durch Hautkrankheiten, andere psychiatrische Störungen oder Substanzeinfluss

 

Typische Erscheinungsbilder / Beispiele

  • Kinder oder Erwachsene reißen sich unkontrolliert Haare am Kopf oder Körper aus
  • Kahle Stellen werden oft mit Mütze, Schal oder Schminke verdeckt
  • Ritualisierte Handlungen: Betrachten, Spielen oder Kauen der Haare nach dem Ausreißen
  • Scham und Rückzug aus sozialen Situationen aufgrund sichtbarer Haarlücken

 

Codierung und Besonderheiten

  • F63.3 gehört zu den **Störungen der Impulskontrolle** (F63.-).
  • Beginn meist in Kindheit oder Jugend, kann chronisch verlaufen.
  • Komorbidität: häufig Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen.
  • Therapie: kognitive Verhaltenstherapie (Habit Reversal Training), Stressbewältigung, ggf. medikamentöse Unterstützung (z. B. SSRI, Antipsychotika bei schweren Verläufen).

F63.8 Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

Die F63.8 Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle umfasst Verhaltensweisen, die durch wiederholte, schwer kontrollierbare Impulse gekennzeichnet sind. Betroffene verspüren einen inneren Drang, bestimmte Handlungen auszuführen, obwohl diese schädliche oder sozial unangemessene Konsequenzen haben können.

Diese Störungen sind nicht durch andere spezifische Kategorien (wie pathologisches Spielen, Kleptomanie oder Pyromanie) erfasst, sondern bilden eine Restkategorie für ungewöhnliche Impulskontrollstörungen.

F63.9 Abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle, nicht näher bezeichnet

Die F63.9 dient der Kodierung von Störungen der Impulskontrolle, die klinisch relevant sind, jedoch nicht eindeutig einer der spezifischen Unterkategorien wie pathologisches Spielen, Kleptomanie, Pyromanie, Trichotillomanie oder sonstigen abnormen Gewohnheiten (F63.8) zugeordnet werden können.

Diese Restkategorie wird verwendet, wenn Betroffene wiederholt Impulse oder zwanghafte Handlungen zeigen, die nicht durch organische Ursachen, Substanzen oder andere psychische Störungen erklärbar sind, aber deutliche Beeinträchtigungen im Alltag verursachen.

Weitere ICD-10-Diagnosen

Sie möchten mehr über verwandte psychische Störungen erfahren? Hier finden Sie Informationen zu anderen Kapiteln der ICD-10 – kompakt und verständlich erklärt.

ICD-10 Diagnosen

  • F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
  • F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
  • F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
  • F30-F39 Affektive Störungen
    F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
  • F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
    F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • F70-F79 Intelligenzstörung
  • F80-F89 Entwicklungsstörungen
  • F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
  • F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

Quellen

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