F-Diagnosen ICD 10F10-F19 → F15 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, einschließlich Koffein

F15 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, einschließlich Koffein

Die ICD-10-Diagnosegruppe F15 umfasst psychische und Verhaltensstörungen durch den Konsum von anderen Stimulanzien, wie Amphetamin oder Methamphetamin. Sie umfasst verschiedene Klassifikationen, darunter akute Intoxikation, Abhängigkeit und Entzugssymptome. Diese Einteilung unterstützt eine gezielte Diagnose und Behandlung stimulantienbedingter Erkrankungen.

Welche Substanzen werden in F15.- codiert?

Unter der Diagnosegruppe F15 werden psychische und Verhaltensstörungen kodiert, die durch den Konsum von Stimulanzien verursacht werden. Stimulanzien sind Substanzen, die das zentrale Nervensystem anregen und zu erhöhter Wachheit, Aktivität und Energie führen.

 

Typische Substanzen, die unter F15 codiert werden, sind:

  • Amphetamine (z. B. Amphetamin, Methamphetamin)
  • Methylphenidat
  • Ecstasy (MDMA)
  • Ephedrin
  • Andere synthetische Stimulanzien
  • Manche Koffeinpräparate (in sehr hohem, missbräuchlichem Konsum)
  • Andere zentralnervös anregende Substanzen, die nicht in andere Gruppen fallen

Koffein wird in der Regel nicht codiert, außer bei Missbrauch.

F15.0 – Akute Intoxikation

Ein vorübergehender Zustand nach dem Konsum von Stimulanzien, bei dem es zu Störungen des Bewusstseins, der Wahrnehmung, der Stimmung, des Denkens oder des Verhaltens kommt. Der Schweregrad hängt von Menge, Verträglichkeit, Umgebung und Situation ab. In der Regel ist der Zustand reversibel.

 

Typische Anzeichen einer akuten Intoxikation:

  • Enthemmtes oder unangepasstes Verhalten
  • Euphorie oder Reizbarkeit
  • Gestörte Koordination oder motorische Unruhe
  • Verminderte Urteilsfähigkeit
  • Bewusstseinsveränderungen bis hin zu Bewusstseinsstörungen oder Koma (bei schwerer Vergiftung)

 

Mögliche Unterformen:

  • F15.00 – Akute Intoxikation ohne Komplikationen
  • F15.01 – Mit körperlichen Verletzungen oder medizinischen Problemen
  • F15.03 – Mit deliranten Symptomen
  • F15.04 – Mit Halluzinationen oder Wahrnehmungsverzerrungen
  • F15.05 – Mit Koma
  • F15.06 – Mit Krampfanfällen
  • F15.07 – Mit aggressivem oder gefährlichem Verhalten
  • F15.09 – Nicht näher bezeichnet

F15.1 – Schädlicher Gebrauch

Die Diagnose F15.1 wird gestellt, wenn der Konsum von Stimulanzien bereits zu gesundheitlichen Schäden geführt hat – körperlich oder psychisch –, ohne dass eine Abhängigkeit vorliegt.

Der schädliche Gebrauch unterscheidet sich vom gelegentlichen Konsum dadurch, dass negative Folgen nachweisbar sind, wie etwa Überdosierungen, Unfälle, psychische Beeinträchtigungen oder körperliche Erkrankungen.

 

Kriterien für schädlichen Stimulanziengebrauch:

  • Klar erkennbare Gesundheitsschäden durch Stimulanzienkonsum, z. B.:
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen)
  • depressive Verstimmungen oder Angstzustände
  • Schlafstörungen
  • Unfälle oder Verletzungen unter Drogeneinfluss
  • Die Schädigung muss ärztlich nachvollziehbar sein – subjektives Unwohlsein reicht nicht aus.
  • Der schädliche Gebrauch ist nicht nur gelegentlich oder einmalig, sondern ein wiederkehrendes oder anhaltendes Muster.

 

Wichtig zur Abgrenzung:

  • Kein Kontrollverlust oder Entzugssymptome wie bei der Abhängigkeit (F15.2).
  • Die Diagnose erfordert einen klaren Zusammenhang zwischen Konsum und dem Schaden.

F15.2 – Abhängigkeitssyndrom

Das Abhängigkeitssyndrom beschreibt ein Muster des Stimulanzienkonsums, bei dem der Konsum zunehmend das Denken, Handeln und Leben einer Person bestimmt.

Kriterien / Symptome F15.2 – Abhängigkeitssyndrom (Stimulanzien / Amphetamine)
Zeitkriterium Letzten 12 Monate
Anzahl Symptome Mindestens 3 Symptome gleichzeitig
Symptom 1 Starkes Verlangen nach Stimulanzien; innerer Drang oder Zwang zum Konsum
Symptom 2 Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung oder Menge des Konsums
Symptom 3 Körperliches oder psychisches Entzugssyndrom nach Abstinenz oder Reduktion (z. B. Müdigkeit, Reizbarkeit, Depression) oder Konsum zur Linderung dieser Symptome
Symptom 4 Toleranzentwicklung: zunehmende Mengen notwendig, um gleiche Wirkung zu erzielen
Symptom 5 Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen oder Verpflichtungen zugunsten des Konsums
Symptom 6 Anhaltender Konsum trotz deutlicher körperlicher, psychischer oder sozialer Folgen
Ausschlusskriterium Symptome sind nicht besser erklärbar durch gelegentlichen Konsum, medizinische Indikation ohne Abhängigkeitsmuster,
akute Intoxikation oder andere psychische/organische Erkrankungen
ICD-10 Unterkategorien
  • F15.20 – gegenwärtig abstinent
  • F15.21 – gegenwärtig abstinent, aber in beschützter Umgebung
  • F15.23 – abstinent unter medikamentöser oder therapeutischer Behandlung
  • F15.24 – gegenwärtiger Substanzgebrauch (aktive Abhängigkeit)
  • F15.25 – ständiger Substanzgebrauch
  • F15.26 – episodischer Substanzgebrauch

F15.3 – Entzugssyndrom

Das Entzugssyndrom tritt auf, wenn der regelmäßige und längerfristige Konsum von Stimulanzien reduziert oder plötzlich abgesetzt wird. Der Körper reagiert auf den Wegfall der Droge mit typischen physischen und psychischen Symptomen.

Diese Diagnose gilt nur, wenn kein Delir (Verwirrtheitszustand mit Bewusstseinstrübung) vorliegt – sonst wird F15.4 (Entzugssyndrom mit Delir) verwendet.

 

Typische Entzugssymptome:

  • Zittern (besonders der Hände)
  • Schwitzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schlafstörungen
  • Angst, innere Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Kopfschmerzen
  • Herzklopfen oder erhöhter Blutdruck
  • In schweren Fällen: Krampfanfälle (→ ggf. F15.6)

 

Beginn & Dauer:

Symptome treten meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen nach dem letzten Konsum auf. Die Dauer variiert je nach Konsummuster und Schweregrad.

 

ICD-10 Unterkategorien:

  • F15.30 – Entzugssyndrom ohne Krampfanfälle
  • F15.31 – Entzugssyndrom mit Krampfanfällen

 

Wichtig zur Abgrenzung:

  • Kein Delir (sonst F15.4)
  • Nicht zu verwechseln mit gelegentlichen Unwohlseinszuständen nach Konsum
  • Oft im Rahmen einer bestehenden Stimulanzienabhängigkeit (F15.2)

F15.4 – Entzugssyndrom mit Delir

Das Entzugssyndrom mit Delir ist eine schwere Komplikation des Stimulanzienentzugs. Es tritt in der Regel nach plötzlichem Absetzen oder Reduktion eines länger andauernden, intensiven Konsums auf.

Kennzeichnend ist ein akuter Verwirrtheitszustand (Delir), begleitet von Entzugssymptomen – häufig mit Halluzinationen, Desorientiertheit und vegetativer Übererregung.

 

Typische Symptome des Entzugsdelirs:

  • Bewusstseinstrübung mit schwerer Desorientierung (Zeit, Ort, Person)
  • Optische Halluzinationen (z. B. Tiere, Schatten, Personen)
  • Starkes Zittern, Schwitzen, erhöhter Puls und Blutdruck
  • Angst, Verfolgungsideen, Verwirrtheit
  • Schlaflosigkeit, Tag-Nacht-Umkehr
  • Wechselnde Aufmerksamkeit, schnelle Stimmungsumschwünge
  • In schweren Fällen: Krampfanfälle oder lebensbedrohliche Zustände

 

Beginn & Verlauf:

Beginnt typischerweise 1–3 Tage nach dem letzten Konsum. Der Verlauf kann lebensbedrohlich sein und erfordert oft intensivmedizinische Überwachung.

 

ICD-10 Unterkategorien:

  • F15.40 – Ohne Krampfanfälle
  • F15.41 – Mit Krampfanfällen

 

Hinweis:

Das Entzugsdelir ist ein akuter Notfall, der sofortige medizinische Behandlung erfordert.

F15.5 – Psychotische Störung

Die Diagnose F15.5 beschreibt eine psychotische Störung, die im Zusammenhang mit Stimulanzienmissbrauch oder -abhängigkeit auftritt. Sie entwickelt sich meist während oder kurz nach intensiver Einnahme, kann aber auch nach Absetzen (z. B. im Entzug) auftreten.

Charakteristisch sind Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder paranoides Denken, die nicht allein durch ein Delir erklärbar sind.

 

Typische Merkmale:

  • Akustische Halluzinationen (z. B. Stimmenhören)
  • Verfolgungswahn, Misstrauen, Beziehungswahn
  • Starke emotionale Erregung, Angst, Feindseligkeit
  • Desorganisiertes Denken oder Realitätsverlust
  • Keine Bewusstseinstrübung wie beim Delir (F15.4)

 

Abgrenzung zu anderen Diagnosen:

  • Kein Delir (→ sonst F15.4)
  • Nicht allein durch Entzug erklärbar
  • Psychotische Symptome halten oft länger an (Tage bis Wochen)
  • Meist bei langjährigem, chronischem Stimulanzienmissbrauch

 

Unterformen:

  • F15.50 – Ohne Schizophrenie-ähnliche Symptome
  • F15.51 – Mit Schizophrenie-ähnlichen Symptomen (z. B. Stimmen, die kommentieren oder Befehle geben)

F15.6 – Amnestisches Syndrom

Das amnestische Syndrom durch Stimulanzien ist eine anhaltende Störung des Gedächtnisses, die auf chronischen, meist intensiven Konsum von Stimulanzien zurückgeht. Es betrifft vorrangig das Kurzzeitgedächtnis, während andere kognitive Funktionen oft vergleichsweise erhalten bleiben.

Diese Störung kann mit Mangelzuständen oder neurotoxischen Effekten verbunden sein.

 

Typische Merkmale:

  • Schwere Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Unfähigkeit, neue Informationen dauerhaft zu speichern
  • Desorientierung in Zeit und Raum
  • Konfabulationen (Erfinden von Geschichten zur Erklärung von Erinnerungslücken)
  • Relativ stabile Sprache, Intelligenz und Aufmerksamkeit

 

Verlauf:

  • Entwickelt sich meist schleichend über längere Zeiträume
  • In vielen Fällen irreversibel
  • Oft verbunden mit anderen drogenbedingten Folgeerkrankungen (z. B. Nervenschäden, kognitive Einschränkungen)

 

Hinweis:

Das amnestische Syndrom ist eine ernsthafte stimulanzienbedingte Hirnschädigung und häufig Folge langjähriger Abhängigkeit in Kombination mit mangelhafter Ernährung.

F15.7 – Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung

Diese Kategorie umfasst anhaltende oder verzögert einsetzende psychische Störungen, die nach dem Konsum von Stimulanzien bestehen bleiben – auch wenn der Konsum bereits eingestellt wurde.

Es handelt sich um Folgezustände, die sich entweder nach einem akuten stimulanzienbedingten Zustand (z. B. Delir, Psychose) entwickeln oder erst Wochen bis Monate später auftreten.

 

Typische Merkmale:

  • Chronisch anhaltende psychische Veränderungen, z. B.:
    • Wahnvorstellungen
    • Halluzinationen
    • Stimmungsschwankungen
    • Denkstörungen
  • Symptome dürfen nicht Folge eines akuten Entzugs oder Rausches sein
  • Zeitlicher Abstand zwischen Konsum und Symptombeginn möglich
  • Kein akuter Bewusstseinsverlust wie bei Delirien

 

Wichtig zur Abgrenzung:

  • Nicht akut (→ keine Intoxikation oder Entzugssymptome)
  • Nicht organisch bedingt (z. B. keine Demenz)
  • Symptome müssen eindeutig mit früherem Konsum verknüpft sein

 

ICD-10 Unterkategorien:

  • F15.70 – Ohne Schizophrenie-ähnliche Symptome
  • F15.71 – Mit Schizophrenie-ähnlichen Symptomen

 

Hinweis:

Diese Diagnose wird verwendet, wenn dauerhafte psychische Störungen als Spätfolge von Stimulanzienmissbrauch bestehen – auch nach einer Phase der Abstinenz.

F15.8 – Sonstige psychische und Verhaltensstörungen

Diese Kategorie erfasst alle psychischen und Verhaltensstörungen, die eindeutig im Zusammenhang mit Stimulanzienkonsum stehen, aber nicht genauer durch die vorhergehenden spezifischen Kategorien (F15.0–F15.7) beschrieben werden können.

F15.8 dient als Auffangdiagnose für seltene oder nicht klassifizierbare stimulanzienbezogene Störungen.

F15.9 – Nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung

Die Diagnose F15.9 wird verwendet, wenn eine psychische oder verhaltensbezogene Störung eindeutig im Zusammenhang mit Stimulanzienkonsum steht, aber nicht genau bestimmt oder klassifiziert werden kann.

Sie ist eine unspezifische Restkategorie innerhalb der F15-Gruppe – also für Fälle, in denen nicht genügend Informationen vorliegen, um eine präzisere Diagnose (z. B. F15.2 oder F15.5) zu stellen.

Weitere ICD-10-Diagnosen

Sie möchten mehr über verwandte psychische Störungen erfahren? Hier finden Sie Informationen zu anderen Kapiteln der ICD-10 – kompakt und verständlich erklärt.

ICD-10 Diagnosen

  • F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
  • F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
  • F20- F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
  • F30-F39 Affektive Störungen
    F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
  • F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
    F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • F70-F79 Intelligenzstörung
  • F80-F89 Entwicklungsstörungen
  • F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
  • F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

Quellen

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